The Stone (I)

Wer “The Stone” zum ersten Mal sucht, muss detektivische Fähigkeiten haben; der Club macht sich klein: Ausser einer kleinen Anschrift an der Tür deutet nichts darauf hin, dass sich in diesem unscheinbaren Eckhaus an der Avenue C/2nd Street der vielleicht interessanteste New Yorker Club für experimentelle und frei improvisierte Musik versteckt. Auch drinnen geht alles ohne Glanz & Gloria. “The Stone” ist eine grosse Schuhschachtel, ein schmuckloser Raum, es gibt keine Bar, weder Bühne noch Musikergarderobe. Man sitzt eng aufeinander auf Klappstühlen. 74 Plätze hat die Feuerpolizei erlaubt, mehr als 80 Personen haben eh nicht Platz; hin und wieder kommt die Feuerwehr und schaut, ob die Anordnung eingehalten wird.

Stone-Entry
Photo by Manuel Wagner (mail[at]wagnerchic.com)

Auch sonst geht es einfach zu und her. An der Kasse steht ein “Volunteer”, einer der rund zwanzig freiwilligen Helfer, ohne deren Gratisarbeit es nicht gehen würde. Pro Abend werden zwei Sets gespielt, um Viertel nach Zehn ist definitiv Schluss, damit die duldsamen Nachbarn über dem Club ins Bett und die freiwilligen Helfer, die an der Kasse stehen, die Klappstühle wegräumen und den Raum putzen, nach Hause gehen können. Der Eintritt, zehn Dollar pro Set, kommt zu hundert Prozent den Musikern zugute. Wer nicht direkt von den auftretenden Musikern eingeladen wird, bezahlt; das gilt auch für Journalisten und andere “zugewandte Orte”.

Geleitet wird der Club vom Saxophonisten, Komponisten und Produzenten John Zorn, seit den 80er Jahren einem der weltweit führenden Protagonisten der zeitgenössischen Jazz- und Experimentalmusikern, und eine der rührigsten Zentralfiguren der New Yorker Avantgardeszene. Sein Betriebskonzept ist radikal und radikal unkompliziert: Er stellt den Musikern den Raum zur Verfügung, um alles Übrige müssen diese selbst besorgt sein. Das ganze hauseigene Equipment besteht aus einem Flügel, einem Schlagzeug und einem Bassverstärker. Einmal im Monat spielen Zorn und befreundete Musiker zu einem Eintrittspreis von 25 Dollar, um die Miete einzuspielen.
Seit rund zwei Jahren übergibt John Zorn die Programmierung durchschnittlich einmal im Monat jeweils für zwei Wochen einem kleineren, meist amerikanischen Label aus der Indie- und Experimentalszene. Nach Winter&Winter aus Deutschland und Clean Feed aus Portugal ist Intakt das dritte europäische Label, das im Stone sein Programm vorstellen kann.

Christian Rentsch

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