363: IRÈNE SCHWEIZER – HAMID DRAKE. Celebration
Intakt Recording #363 / 2021
Irène Schweizer: Piano
Hamid Drake: Drums
Recorded live on June 26, 2019 at Konfrontationen Nickelsdorf, 40th Festival for Free and Improvised Music, Jazzgallery Nickelsdorf, Austria. Recorded by ORF (Radio Österreich 1).
More Info
Piano-Drums Duos are the preferred playing arrangement of pianist Irène Schweizer. Her mastery of duets with important drummers of contemporary jazz are documented on numerous Intakt CDs. Han Bennink, Pierre Favre, Louis Moholo, Günter Baby Sommer, Andrew Cyrille and Joey Baron among them. The Chicago drummer Hamid Drake, born in 1955, and Irène Schweizer, born in 1941, have performed together on numerous occasions both in Europe and Chicago. Together they have appeared on the Intakt CD "Irène Schweizer-Fred Anderson- Hamid Drake". At the 40th anniversary festival "Kontrontationen in Nickelsdorf" (Austria), Schweizer and Drake were the highlight of the event. A celebration of the moment and a declaration of love to South African songs along with their thrilling energy and rhythmic lightness produced a firework of improvisation. A parade of successful interplay. The CD Celebration is released on the occasion of Irène Schweizer's 80th birthday (2. Juni), accompanied by a catalogue of the pianist's works on Intakt Records.
Album Credits
Cover art: Rosina Kuhn
Graphic design: Jonas Schoder
Liner notes: Christian Broecking
Photos: Dawid Laskowski
Compositions by Irène Schweizer except “A Former Dialog” by Schweizer/
Drake. Recorded June 26, 2019 at Konfrontationen Nickelsdorf, 40th
Festival for Free and Improvised Music, Jazzgallery Nickelsdorf, Austria.
Recorded by ORF (Radio Österreich 1). Soundengineer: Gerhard Wald. Recording manager: Jens Jamin. Recording producer: Klaudia Zeininger.
Festival organised by Hans Falb and team. Mastered by Michael Brändli at Hardstudios Winterthur, 2020. Produced and published by Intakt Records.
- 5 stars: 35 (100%)
- 4 stars: 0 (0%)
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Voyeuristisch begabt sind wir wahrscheinlich alle. Die Tendenz zum Zuschauen, heimlich oder offen, verstärkten die letzten Monate mit Stream und Daseins-Statik eher noch. Das ist mit, aber nicht der wesentliche Grund, warum wir das Foto auf dieser Seite groß drucken. Es ist schön und mehrdeutig. Und zeigt den Pianisten Cecil Taylor, wie er sich 1975 Irène Schweizer, der wir ein Cover sowie eine große Geschichte widmen, beim ersten Festival in Willisau unbeobachtet - abgesehen vom Voyeur hinter ihm - beguckt (und den John Tchicai neben ihr); ihrem Spiel vermutlich auch zuhört. Taylor, es ist nicht verkehrt, dies zu wissen, wirkte auf Schweizer stark ein - und man darf sich, schauen Sie genauer hin, fragen: Ging das eventuell auch vice versa? Wir leisten uns ein zweites Cover, weil: Die Musik des Stephan Micus ist eigen genug, um sie eigens herauszustellen. Seit Jahrzehnten macht er die und wird wahrgenom-men, aber zu wenig, scheint uns. Die Visite bei ihm auf Mallorca machte Micus klarer, zeigte ihn im Spannungsfeld, allerdings ohne ihn und seine Musik - Vorhang beiseite und: erkannt & fest fixiert - ganz freizulegen. Das darf sein. Warum auf Vollständigkeit pochen, die nicht zu haben ist; man täuscht doch nur vor. Nein. Ein Porträt ist stets ungelenke Skizze, jedweden Menschen packt man nie komplett ein, schon gar nicht mit Worten. Selbst wenn man sich drei Nachmittage/ Abende und toll bewirtet - vielen Dank, liebe Adela - beobachtet und intensiv über dies und das, auch jenseits der Musik, redet - to catch a ghost fast: der Mensch bleibt letztlich unfixierbar, bleibt spannende Vorläufigkeit, bleibt Bruchwerk. Erhellende Freude wünscht Adam Olschewski
Als junge Frau sprengte diese auch politisch engagierte Pianistin alle Fesseln; ihr späteres Werk verbindet vorbildlich Freiheit mit Form; erst vor kurzen ist sie Achtzig geworden: IRÈNE SCHWEIZER. Eine Würdigung.
FEIERLICHKEIT LIEGT IHR eigentlich nicht, und wenn sie gar selbst gefeiert werden soll, wirkt sie befangen und blickt so verlegen herum, als wollte sie fragen: »Wo ist hier der Notausgang?«. Am Ende aber hat sie sich doch gefreut, am 4. Juni, zwei Tage nach ihrem achtzigsten Geburtstag, im Kulturhaus Helferei, das zum Zürcher Grossmüns-ter gehört und einst der Wohnsitz des Reformators Ulrich Zwingli war. Patrik Landolt, der Gründer und langjährige Leiter des Labels Intakt, dazu ein langjähriger enger Freund von Irène Schweizer, hatte den Anlass organisiert und führte durch den Abend, der Jazzpublizist Bert Noglik hielt die Laudatio. Stadtpräsidentin Corine Mauch und Regierungsratspräsidentin Jaqueline Fehr, beide gestandene So-zialdemokratinnen, ließen es sich nicht nehmen, der Musikerin, die nicht nur für den Free Tazz, sondern auch für die Schweizer Frauen- und Lesbenbewegung von eminenter Bedeutung war, die Reverenz zu erweisen. Ihren Reden war anzumerken, dass es hier um mehr ging als um amtliche Pflichterfüllung. Musikalische Beiträge der Saxophonistin Co Streiff und der Sängerin La Lupa sowie eine hinreißende, zum Akkordeon vorgetragene Hommage der Free Jazz-Legende Rüdiger Carl, der schon von 1973 an viel mit Irène Schweizer zusammengearbeitet hatte, machten die intime Feier auch zu einem musikalischen Ereignis. Freunde aus aller Welt waren angereist, und es wären noch sehr viele mehr gekom-men, wenn die Corona-Bedingungen es erlaubt hätten. Dass Irène Schweizer eine der bedeutenden Figuren im Jazz der letzten fünfzig Jahre ist, eine Persönlichkeit, deren Namen man stets mit einer gewissen Ehrfurcht nennt, würde man nicht denken, wenn man sie besucht. Wenn ich sie in den vergangenen zwei Jahrzehnten um ein Gespräch bat, erwiderte sie stets, am einfachsten träfen wir uns doch bei ihr zu Hause, und dann kam mir jeweils Bertolt Brechts Kurztext »Zwei Städte« in den Sinn, eine seiner Geschichten um Herrn Keuner, den listigen Niemand: Herr K. zog die Stadt B der Stadt A vor. ›In der Stadt A‹, sagte er, liebt man mich; aber in der Stadt B war man zu mir freundlich. In der Stadt A machte man sich mir nützlich, aber in der Stadt B
brauchte man mich. In der Stadt A bat man mich an den Tisch, aber in der Stadt B bat man mich in die Küche.«« Irène Schweizer bittet ihre Besucher in die Küche, und man sitzt in der stets penibel aufgeräumten Wohnung im Zürcher Stadtkreis 4 einem Menschen gegenüber, der lieber gebraucht als verehrt wird. Einer Person, die am liebsten mit dem Fahrrad zum Einkaufen fährt und der in dem dezent renovierten Altbau die ausgetretene Treppe zum obersten Stockwerk immer noch vertrauter ist als der später eingebaute Lift. Sie genießt den Blick auf Innenhöfe, auf das sprießende Grün, auf das Lochergut, eine in den 1960er-Jahren erbaute Hochhaus-Wohnsiedlung im Besitz der Stadt, aber auch auf den nahen Üetliberg. Hier lässt es sich leben! Zum Glück gehört das Haus keinem »Speki«, wie Irène Schweizer die Immobilienspekulanten nennt, sondern einem mieterfreundlichen Menschen. Deshalb kann sie hier seit langem wohnen. Im Wohnzimmer st...
Commençons par l'aînée, Irène Schweizer, dont Patrik Landoltt célèbre les 80 ans avec un joli catalogue présentant ses trente-trois disques réalisés pour Intakt sous son nom ou au sein de groupes, depuis le LP 001 qui marqua la création de la marque en 1986. Parallèlement est publié un nouveau CD en duo avec le grand batteur afro-américain Hamid Drake. Percussionniste elle- CELEBRATION même - ce qui a profondément marqué sa pratique pianistique - Irène Schweizer a dialogué durant toute sa carrière avec de nombreux batteurs de renom ; pour rester chez Intakt, elle a enregistré depuis 1986 avec Louis Moholo, Günter Sommer, Andrew Cyrille, Pierre Favre à trois reprises (son plus ancien partenaire), Han Bennink à deux reprises, et Joe Baron.
Ce n'était pas la première fois qu'elle rencontrait Hamid Drake lorsque ils se sont trouvés, en juillet 2019, sur la scène du 40e festival de Free & Improvised Music de Nickelsdorf en Autriche. Après une improvisation commune, la pianiste a proposé huit compositions "ouvertes" dans lesquelles le batteur s'est coulé merveilleusement. S'ensuivirent un véritable échange où chacun, spontanément, laisse de l'espace à son partenaire. « J'ai toujours ressenti une affinité avec les musiciens noirs » affirme la pianiste qui dans les années 60, rencontra les Sud-Africains Dollar Brand puis les Blue Notes de Chris McGregor (seul Blanc !) qui, émigrés en Suisse, la marquèrent profondément. Deux titres illustrent ici cette imprégnation : Blues for Creilier et Song for Johnny - In memory of Johnny Dyani. Elle aime également, sa grande culture musicale aidant, intégrer des figures de jazz "classique" dans ses improvisations. Les applaudissements enthousiastes et généreux ont, non seulement remercié les deux musiciens pour ce concert, mais également salué l'une des personnes majeures de l'histoire du jazz, et pas seulement européen. « Celebration » (CD 363). OUI ! (Un livre vient de paraître également: This Uncontainable Feeling of Freedom, Irène Schweizer - European Jazz and the Politics of Improvisation, par Christian Broecking).
Wie Ärger in positive Energie umschlagen kann: Das zeigt dieses Konzert vom 26. Juli 2019. Irène Schweizer, die Grande Dame des Free Jazz, und der afroamerikanische Schlagzeuger Hamid Drake hatten sich darauf gefreut, anlässlich der 40. Ausgabe des Festivals «Konfrontationen» im österreichischen Nickelsdorf wieder einmal miteinander zu spielen. Dann aber wurde es Mitternacht, bis sie endlich drankamen. Entsprechend hoch war die Nervosität. Man spürt sie förmlich in der einleitenden Improvisation. Doch die Musik gewinnt rasch Atem und Farbe, die Ideen springen hin und her und münden in herrliche, südafrikanisch inspirierte Klänge.
Irène Schweizer – Celebration
Celebration is the latest piano-drums duo album by Irène Schweizer and Hamid Drake. Celebration was released on April 16, 2021. The album was recorded live in Nickelsdorf, Austria (at the 40th Festival for Free and Improvised Music).
Irène Schweizer previously released 17 duo albums, of which 10 were with a drummer/percussionist. These included one record with Louis Moholo (1987), one with Günter Sommer (1988), one with Andrew Cyrille (1989), one with Mani Neumeier (1997), one with Joey Baron (2017), two with Han Bennink (1996 and 2015), and three with Pierre Favre (1992, 2004, and 2013).
Irène Schweizer mentioned in 1990, “I love drummers, and I love working with them.” She is a keen amateur drummer herself. So, of course, a new album with a new drummer seems to be the perfect way to celebrate her music, passion, love for drummers, and partnership with Intakt Records. It certainly celebrates quite a lot at once—not to mention her upcoming 80th birthday!
Hamid Drake, Andrew Cyrille, and Joey Baron were all born in the United States. Hamid Drake has collaborated with Don Cherry, Herbie Hancock, Pharoah Sanders, Fred Anderson, Archie Shepp, and William Parker, and he is widely regarded as one of the best percussionists in jazz and improvised music (Wikipedia).
This album is such a success. It might seem obvious, but it is worth mentioning. Once more, the duet format works so very well, and the two of them manage to find both cohesion and freedom together.
Even though Celebration lasts for less than 44 minutes, its music wanders down so many paths, rhythms, experiences, and styles that it feels a lot longer. It is dense, exciting, sometimes joyful, and always extremely captivating, and some parts are just beautiful, as deep and extraordinary as the word “beautiful” can be. In conclusion, Celebration will make you wish you were there the night it was recorded.
Adding to her series of imposing percussion-keyboard arrangements is Swiss pianist A rine Schwezer's Colebration, a precursor to her recent 80th birthday. A live concert from when she was a mere 78, the nine tracks confirm flexible interplay alongside American drummer Hamid Drake, 14 years her junior. Energetic and inventive throughout, Schweizer's dexterity in these situations may be because she plays drums herself and intimately knows the kit's capabilities. For his part Drake, whose list of collaborators is as long as the pianist's, makes the session a partnership not a contest, projecting ruffs, press rolls, thumps and pops with a maximum of finesse. Schweizer's dexterity and sonic range is thus given full play. She emphasizes a walking bass and resonating stresses in a way that would give Ray Bryant pause on "Blues for Crelier"; adds a touch of kwela and hi-life to the unfolding rhythm as a joyous salute to South African musician friends on "Song for Johnny, as Drake's smacks propel the undulating theme. Making full use of the instrument's inner piano harp and outside wood, she strums and plucks strings on "Stringfever" while powerfully smacking its side. And she even injects a touch of pseudo ragtime tickles into the conclusion of "A Former Dialogue", which mostly consists of modern tempo and pitch changes with unexpected octave jumps. Seconded by Drake's prudent time-keeping and rolling patterns an exuberant swing emphasis burrows into all of the tracks sometimes emphasizing a groove that calls for finger-snapping. The kinetic track that defines Schweizer's mature improvising however is "Nickelsdorf Glow". Presto and profound she moves the narrative from airy tinkles to pedal lowing with detours and returns to outlining multiple patterns - all in less than three minutes. Another souvenir for her piano-drum collection, the disc confirms the pianist's continued inventiveness and relevance.
Ombre infrante nelle imperfette misure della luce: quattro dischi Intakt Registrato dal vivo durante la quarantesima edizione del Konfrontationen alla Jazzgallery di Nickelsdorf, in Austria, Celebration, come da titolo, esce per gli 80 anni della mitica pianista, protagonista di tanti duetti con batteristi (tra questi ricordiamo Han Bennink, Louis Moholo, Joey Baron). Il disco è accompagnato dalla pubblicazione del catalogo dell'opus magnum della Schweizer per l'etichetta di Zurigo e del libro di Christian Broecking "This Uncontainabile Feeling Of Fredom. Irène Schweizer - European Jazz And Politics Of Improvisation". Nove tracce tra improvvisazione e composizione (chiude una" Song For Johnny" dedicata a Dyani, il bassista dei Blue Notes, la band sudafricana con Chris McGregor, Louis Moholo, Dudu Pukwana e Nikele Moyake), che probabilmente dal vivo avrebbero catturato maggiormente l'attenzione. La maestria dei musicisti coinvolti è fuori discussione, fa però capolino in qualche frangente il già sentito. Il mood black della Schweizer emerge a più riprese ("Blues For Crelier", la citata "Song For Johnny"), il groove funziona a meraviglia (Hamid Drake è una macchina, su questo non ci piove), ma a volte la straordinaria abilità dei musicisti (di Drake in particolare, che secondo me si fa prendere un poco la mano) si prende tutta la scena, lasciando in bocca il sapore di una grande esibizione che però lascia poco dopo essere stata ammirata.
Probabilmente, se fossimo stati presenti al concerto, avremmo apprezzato di più: su disco il documento per noi non suona memorabile. E comunque, sia chiaro, lunga vita a Irène Schweitzer, che il dio del jazz ce la conservi sempre con questa verve!
Es gibt etwas zu feiern. Hamid Drake und Irène Schweizer haben schon zahlreiche Aultritte miteinander dies- und jenseits des Atlantik, im Düo und in größeren Besetzungen, hinter sich. Im Sommer 2019 sind sie bei der 40. Ausgabe der Nickelsdorf Konfrontationen für ein Duo-Konzert wieder zusammengetroffen. Aber das muss nicht gefeiert werden. Die Begegnung war selbst das Fest, dokumentiert auf dem Album Celebration. Dass Irene Schweizer, Pianistin und Protagonistin des europäischen Free Jazz, am 2. Juni 80 Jahre alt geworden ist, war ein Grund mehr für den Titel des neuen Albums. • Von Hans-Jürgen Linke Gäbe es ein Werkverzeichnis, ordentlich nach Gattungen sortiert, dann wäre die Liste der Duo-Aufnahmen mit Schlagzeugern im Werk Irène Schweizers ziemlich umfang-reich, vielleicht gerade noch übertroffen von der Zahl ihrer Solo-Einspielungen. Duo-Begegnungen zwischen Klavier und Schlagzeug, die im traditionelleren Jazz gleichermaßen zur Rhythm Section gehö-ren, sind nicht unbedingt leicht zu gestalten - besonders seit der freie Jazz die Rollen-und Parameter-Zuweisungen aufgelöst hat. Wenn Klavier und Schlagzeug aufeinander-treffen, geht es schnell ums Ganze - und manchmal auch um etwas Kompliziertes. Christian Broecking zitiert in den Liner Notes zum Album Hamid Drake, der über seine Duo-Arbeit mit Irène Schweizer sagt „Wenn man kein Gefühl für die eigene Stimme und kein Selbstvertrauen hat, kann sie dominant und mächtig wie ein Schnellzug sein und einen einfach überfahren. Wenn man aber Selbstvertrauen und auch ein Gefühl für die eigene Stimme hat, dann kann man mit ihr wunderbar zusammenarbeiten." Irène Schweizer hat ihre Musikerin-nen-Laufbahn als Schlagzeugerin begonnen und steht seit je im Ruf, eine stark perkussiv orientierte Pianistin zu sein. Das wird zwar ihrem riesigen Ausdrucksvermögen nicht annähernd gerecht, liefert aber zumindest einen Anhaltspunkt dafür, warum und wie sie mit Schlagzeugern zusammenarbeitet. Ihre Schlagzeug spielenden Duo-Partner - außer Hamid Drake waren das Pierre Favre, Han Bennink, Günter Sommer, Andrew Cyrille und Louis Moholo - gehörten zu den profiliertesten Vertretern ihres Instrumentariums im zeitgenössischen Jazz. Jeder von ihnen hat das, was Hamid Drake die „eigene Stimme" nennt. Entsprechend hatte jede dieser Begegnungen einen absolut einzigartigen Charakter und Verlauf. Wenn Celebration ein Jubiläums-Album ist, dann geht es wenigstens nicht in die Falle eines Innehaltens und Rückbesin-nens zum runden Geburtstag - zumal dieser Geburtstag zum Zeitpunkt der Aufnahme noch in einiger Ferne lag. Nur der Titel des ersten Stücks scheint sich zurückwenden zu wollen: „A Former Dialogue" - ein vormaliger Dialog. Aber Nostalgie? Innerhalb weniger Sekunden stellt Irène Schweizer am Klavier einen Tonraum her mit oben und unten, vorn und hinten, es gibt feine, angespannte Verbindungslinien, einen kurzen Schwebezustand, schon gesellt sich links und rechts und dazwischen Hamid Drake am Schlagzeug hinzu. In einer überfallartig hereinplatzenden Ouvertüre zeichnen die beiden skizzenhaft eine Silhouette von allem, was zu sagen wäre. Das Fest hat begonnen. Alles Weitere erscheint leicht, nahe beieinander, konsequent. Und dabei höchst differenziert und raffiniert, überraschend und voller Energie. Der Funke springt aufs Publikum über. Verleger Patrik Landolt erinnert sich, dass er noch nie zuvor bei einer Live-Aufnahme in der Post Production den Applaus in Länge und Lautstärke so massiv habe reduzieren müssen wie bei Celebration. Das Album enthält neun Stücke. Acht davon sind Kompositionen von Irène Schwei-zer, nur das Einleitungsstück ist als gemeinsame Komposition bezeichnet. Mit jedem Stück beginnt etwas Neues. Es ist ein Fest in neun Abschnitten. Sie bilden zusammen eine Art un-klassische Suite unvorhersehbarer Tanze und zugleich eine durchbrochene Horizontlinie für das, was Aufnahme in Irène Schweizers musikalischen Mikrokosmos gefunden hat. Ein geschlossener Kreis entsteht nicht. Das Titelstück ist an die vorletzte Stelle gesetzt und strahlt eine kristalline Feierlichkeit aus, die nebenher mit Versatzstücken der Jazz-Geschichte spielt. Aber das tut Irene Schweizer ja fast immer. Es gibt treibende Losgeh-Passagen im Zusam-menspiel, es gibt harmonisch eigensinnige, fragil-kristalline Abschnitte. Sensible Reibereien und feinsinniges Inside-Spiel ohne Tastenbenutzung. Es gibt einen Blues, eine überschwänglich glühende Höhenflug-Hom-mage an den Spielort Nickelsdorf, und es gibt eine aus der Ferne kunstvoll sentimental eingefärbte Erinnerung an südafrikanische Kwela-Musik, die dem 1986 verstorbenen Bassisten Johnny Dyani gewidmet ist. Keines dieser Stücke aber ist mit einen kurzen Satz schon treffend gekennzeichnet. Nie ist es nur ein Ton- oder Klangvorrat, eine Stimmung, eine Richtung, mit der sich das Duo befasst. Das Zusammenspiel bildet immer einen komplexen Verlauf. Nicht idiomatische Beharrlichkeit herrscht hier, sondern Impulse des Reflektierens, Kommentierens, Dreinredens, Sich-A...
Die Schweizer Pianistin Irène Schweizer blickt auf eine lange Reihe von mitgeschnittenen Duetten mit Schlagzeugern zurück.
Sie reichen bis ins Jahr 1987. Louis Moholo.
Andrew Cyrille. Günter »Baby« Sommer.
Pierre Favre. Han Bennink. Mani Neumeier.
(Zur Erinnerung: Cecil Taylor, ein wichtiger Schweizer-Einfluss, dokumentierte seine Piano-Drum-Duos ab 1988.) Nun also Hamid Drake, nicht lediglich der überragende Schlagwerker seiner Generation, sondern der Gegenwart. Die CD wurde aufgenommen beim letzten Schweizer-Live-Auftritt, 2019 am Festival in Nickelsdorf, der kürzlich verstorbene Schweizer-Biograf Christian Broecking kommentiert die Begegnung im Booklet. Es ist ein sich allenfalls auf grobe Melodieideen stützendes, offenbar vorwiegend spontan entworfenes Duett wie Duell, ein Trommel-Duell von gleich zwei Seiten mitunter. Tastenbefeuerung von akkuratem Anschlag und großer Involviertheit versus beinahe erschreckend variantenreiche und detailierte Becken-Fell-Akzente von immer natürlicher, afrikanisch inspirierter Brillanz. Doch nicht nur Duell: Da ist ebenso viel Platz auch für ruhigere Momen-te, für Stride-Verweise und Anflüge von Humor, für Spielerisches - und für Dollar Brand, einen zweiten Schweizer-Einfluss.
Schweizer ist vermutlich die intellektuellste und gleichzeitig zupackendste Pianistin überhaupt, eine Traumkonstellation das.
Drake der pointierteste und swingendste Trommler weit und breit, so dass man über längere Strecken gemeinsam einen kompakten Groove entspinnt. Eine Dreiviertelstunde von vibrierender und lang nachwirkender Spannungsdichte, von zwei Giganten ihres Fachs hergestellt.
Per tanto tempo nel periodo iniziale della free music europea è stata la più austera. Ammirevole, non c'è dubbio. Intransigente, proverbiale per il suo accanimento nel fare musica totalmente atonale e non cordiale. Non la si riconoscerebbe se si pensasse a quella Irène Schweizer ascoltando Celebration (Intakt), registrato dalla pianista svizzera in duo col percussionista Hamid Drake al festival di Nickelsdorf del 2019. Tutto un gioco di tempeste free e romantiche (fantasmi di Liszt) senza freni, con meno seriosità possibile. Cosa c'è che non va nell'album live Untucked in Hannover (Intakt) del quintetto Tom Rainey Obbligato col leader Tom Rainey alla batteria, Ralph Alessi alla tromba, Ingrid Laubrock al sax, Jacob Sacks al piano e Drew Gress al basso? Niente. Tutto ben fatto. Un jazz moderato, aggiornato e inutile. Strano tipo l'altosassofonista Charlotte Greve. In The Choir Invisible (Intakt) suona melodie cantabili a mezza voce accennando timidi spunti improvvisati con accanto i solidi Chris Tordini (contrabbasso) e Vinnie Sperrazza (batteria).
Quarant'anni compiuti dal festi. val austriaco Konfrontationen e ottanta candeline spente da Irène Schweizer. Ecco un disco che so. miglia come pochi a una torta di compleanno. Il concerto si tenne infatti in occasione del quaranten nale della manifestazione austriaca e l'album è stato pubblicato questa primavera in omaggio alla pianista svizzera che lo scorso due giugno ha festeggiato appunto i suoi ottant'anni. Celebrazioni a parte, il disco conquista subito per il calore, la maestria, l'intesa e il virtuosismo sprigionato dalla coppia. D'al tronde, suonare in duo con un batterista è quasi una condizione ideale per Schweizer, considerati i numerosi precedenti che l'hanno vista confrontarsi felicemente con Han Bennink, Pierre Favre, Louis Moholo, Günter Baby Sommer, Andrew Cyrille e Joey Baron, giusto per fare qualche nome. Una volta di più stupisce e conquista la disinvoltura con la quale questa signora della tastiera si aggira rapidamente tra territori apparentemente lontani, dal free jazz, rimandando a più riprese, doverosa-mente, al pianismo martellante di Cecil Taylor, al romanticismo europeo più crepuscolare, dal blues (qui l'esaltante Blues For Crelier) alle avanguardie novecentesche. Il suo tocco infinitamente piace-vole, inoltre, rende lievi anche i passaggi più ossessivi. Notevole il ruolo interpretato a sua volta da Drake, sempre puntuale nel sotto-lineare, suggerire, farsi da parte, dare il via (si ascolti l'impetuoso avvio di The Good Life), assecondare la pura ricerca timbrica (Stringfever). L'intesa naturalmente è sia frutto della padronanza tecnica dei rispettivi strumenti sia dei precedenti incontri avvenuti tra i due, anche se questa, disco-graficamente, è la loro prima volta in coppia. Spettacolare per esem pio la conversazione di sapore monkiano che si svolge in Twister, anche con tanto di autentici trilli o meglio di cinguettii prima di giungere al serratissimo finale. Si chiude con un curioso omaggio a Johnny Dyani, singolare non tanto per il ricordo di un esponente di quella pattuglia di esuli sudafricani sbarcati in Europa negli anni Sessanta, perché nei loro confronti Schweizer ha sempre manifestato solidarietà (oltre a suonare con Moholo, come ricordato prima), quanto per il brano, che è intitolato Song For Johnny - In Memory Of Johnny Dyani ma che è costruito su Mra, scritto da Dudu Pukwana e cavallo di battaglia della Brotherhood Of Breath. Nulla toglie certo alla bellezza dell'improvvisazione del duo e alla gioiosità dell'esecuzione che intorno a quel trascinante avvio costruisce e disia una serie di linee e di curve per riprendere e lasciare nuovamente il tema sprigionando tutta la gioia e il calore di quella che in fondo è una danza, un inno alla vita. Gran bel regalo di compleanno, dunque, che siamo noi a ricevere da questa grande artista e dal suo partner. Non resta che farle i nostri auguri: cento di questi dischi!
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N • John Pizzarelli — Better Days Alead (Solo
Guitar Takes on Pat Metheny)
(Ghostlight Deluxe)
• Irène Schweizer/Hamid Drake-
Celebration (Intakt)
• Nina Simone - The Montrew Years (BMG)
Laurence Donohue Greene, Managing Editor
N
• [Ahmed]-Nights on Satur (communication) (Astral Spirits)
• Don Cheny - The Summer House Sessions
W
(Blank Forms)
• Todd Cochran - Then and Again, Here and
Now (Sunnyside)
R • Harold Danko-Spring Garden
(Steeple Chase)
• Fire! - Defeat (Rune Grammofon)
• Stephan Goldbach -Transit
(Jazz.HausMusik)
• Johnny Hodges - 13 Mars 1961 (Live in Paris) (Fremeaux & Associes)
• Masabumi Kikuchi - Hanamichi (The Final
Studio Recording) (Red Hook)
• Joe Lovano - Garden of Expression (ECM)
• Michael Wollny, Emile Parisien,
Tim Lefebvre, Christian Lillinger -
XXXX (ACT Music)
Andrey Henkin, Editorial Director
Het is onderhand een meer dan indruk-wekkende lijst: de
Zwitserse pianist Irène Schweizer nam duopla-ten op met imposante drummers als Louis
Moholo, Joey Baron en Han Bennink. Aan dat lijstje voegt ze nu Hamid Drake toe, een kei van een drummer en ook een kei van een plaat. Vanwege de humor, de vin-dingrijkheid, de virtuositeit, het sierlijk strooien met citaten, de brisante energie, de rust die het tweetal soms ook vindt. Als ik maar één enkel woord ter beschrijving
tot mijn beschikking had, dan zou ik uitko-men bij: begrip. Hoe weten deze twee in 's hemelsnaam waar ze naartoe gaan? Het mooie aan Celebration zijn de durf en het vertrouwen. De plaat barst uit zijn voegen van het spelplezier, en de kennis en kunde zijn ook ruimschoots aanwezig, maar
Celebration is vooreerst een viering van het naar elkaar luisteren, horen én ver-staan.
Swiss pianist Irène Schweizer has been a towering figure o.
European free
jazz for six decades - often compared with Cecil Taylor, but though she possesses much of the late American legend's blistering technique and impetuous improvisational drive. she has embraced more explicit references to the jazz tradition over the years, from ragtime to Monk, Carla Bley, or Abdullah Ibrahim. Schweizer has also been an inspired collaborator with drummers (she's a pretty good one herself) in an intimate improv-duo format she has favoured for years.
This concert from Austria's
2019 Nickelsdorf Konfrontationen festival with Chicago percussionist and frequent partner Harid Drake marked the pianists 80th birthday - and was apparently embarked on in a fierce Schweizer mood since the pair had not been able to get onstage until midnight, but the delay seems to have done nothing but good. Schweizer darts, chord-clangs, and unleashes streams of detailed melody against Drakes racing patterns and exclamatory smacks before withdrawing to quiet contemplation and then amiably bouncing swing on A Former Dialogue, grooves in a bluesily muscular Ibrahim manner on The Good Life, and shares skittering under-the-lid pluckings and edgily scuttling percussion with Drake on Stringfever. An enthrallingly churning South African townships tribute to the late bassist Johnny Dyani on
"Song For Johnny is a highlight. but there are plenty. Intakts editor Patrik Landolt reportedly said hed never had to shorten so much prolonged applause on a release. and its no surprise.
Swiss pianist Irène Schweizer is one of the pioneers of European free jazz. Celebrating her 80th birthday this month, she remains an active and vibrant presence as evidenced by Celebration, which not only marks her own milestone, but also the 40th edition of Austria's Nickelsdorf Jazz Konfrontationen - one of the world's premier creative music festivals-where it was recorded in 2019. Longtime collaborator drummer Hamid Drake joins Schweizer for the festivities in a sparkling set overflowing with snappy interchange and good humor.
Schweizer allies a percussive approach, informed by Cecil Taylor, to a strong sense of time, founded on her love of the South African grooves of Abdullah Ibrahim and Johnny Dyani. As a consequence throughout her career she has enjoyed a particular affinity with drummers who are liberated to ornament and embellish, as attested by recordings with countryman Pierre Favre, South African Louis Moholo-Moholo, Dutch Han Bennink, German Günter Sommer and Andrew Cyrille. She first encountered Drake, 14 years her junior, in 1995 and the pair has renewed the bond regularly ever since, leading to an almost telepathic understanding. Although the liners confirm that there was no discussion prior to taking the stage, you wouldn't realize that from the breathtaking rapport that ensues.
Drake's talent for on-the-fly syncopation manifests from the off as he matches Schweizer in a headlong staccato dash on "A Former Dialogue". But another of the pianist's traits is also on display here: a predilection for deftly inserting tuneful motifs amid the abstraction to suggest song form and the feeling of structure.
Drake responds by calling on the breadth of the tradition, with bursts of crisp rhythmic ingenuity repurposed for the moment at hand, which give wings to Schweizer's playful inventions.
But whether on the patterned textures of
"Stringfever", where the pianist beats the innards, the impulsive "Twister", which alternates solo and accompanied sections, or the rolling vamp of the rootsy
"Blues For Crelier", the conversation between the principals is suitably receptive, joyous and exuberant.
Welch passender CD-Titel: _Celebra-tion" ist nicht nur das interessanteste Stück dieser Scheibe, sie erscheint auch gerade rechtzeitig zum 80.
Geburtstag der großen Irène Schweizer und wurde live bei den 40. Nickels-dorter Konfrontationen am 26. Juli 2019 aufgezeichnet. Selbstverständlich ist die CD auch eine Feier der freien bis gebundenen Improvisations-musik und der Piano-Drums-Duos, die Schweizer so liebt. Sie hat mit dem um
14 Jahre jüngeren US-Musiker schon in der Vergangenheit gespielt und betrachtet musikalische Partnerschaften ohnehin unter dem Aspekt des unterbrochenen und dann wieder aufgegriffenen Dialogs über Jahr(zehnt)e hinweg: als halbironischen Hinweis mag man „A Former Dialogue" verste-hen, ein Stück, das sich schon auf „Live Willisau & Taktios" (2007) fand.
Es ist klar, wer hier die Hosen anhat. trotzdem lässt sich Hamid Drake weder einschüchter noch unterkriegen und bietet, je nach Situation, Gegenpol oder Einklang. Seien es Versionen früherer Schweizer-Komposi-tionen wie „Stringfever" oder „Blues for Crelier" oder Inspirationen des Augenblicks, hier passt einfach alles: ein wunderschönes Covergemälde von Rosina Kuhn, edler Sound (Ger-hard Wald nahm für Ö1 auf und selbstverständlich die stets spannende und frische Interaktion zwischen der Pianistin und dem Drummer.
The fastest recorded human reaction time is 0.101 seconds but, on these quicksilver duets with Swiss pianist Irène Schweizer, Hamid Drake seems to be pushing that threshold to the point of simultaneity.
As Schweizer tumbles through a restless swirl of ideas, Drake shows a superhuman ability to accompany every twist and turn, usually with a completely cliche-free, sui generis response. That said, the duo are supremely happy to relax into a toe-tapping rhythmic figure. "Blues For Crelier" and "Song For Johnny - In Memory Of Johnny Dyani" both spring from Schweizer's laidback left hand vamps, with Drake instantly hopping on a nippy rim-shot, creating spontaneous soul jazz bangers that feel as though they've always existed in eternal perfection.