INTAKT RECORDS – CD-REVIEWS
DIE ENTTÄUSCHUNG
Lavaman

Intakt CD 289 / 2017

 

 



Frank von Niedrhäusern, Kulturtipp, November 2017

 

 

Derek Taylor, Dusted Magazine, Nov 14, 2017


Auch wenn sich Christof Thewes nur halbrichtig erinnert - 'Trinkle, Tinkle' ist auf "1",
1997 eingespielt und 2002 auf Grob erschienen, das kann er nicht schon 1996 gehört
haben - aber im Wesentlichen hat er sowas von recht: Enttäuschung ist die Aufklärung
des Verblendungszusammenhangs. Das gleichnamige Debut von DIE ENTTÄUSCHUNG
erschien allerdings tatsächlich 1996, noch mit Joachim Dette am Bass,
für den Axel Dörner, Rudi Mahall und Uli Jennessen dann in Jan Roder den passend
monkophilen Nachfolger fanden. Monk blieben sie allerdings nur mit Schlippenbach in
Monk's Casino treu, selber 'enttäuschten' sie mit immer mehr Eigenkreativität, etwas,
wonach auf dem Jazzmarkt am wenigsten Nachfrage herrscht. Mit Jenneßen wurde
dennoch bis "5" gezählt und noch "Vier Halbe" geleert, immer mit dem Risiko, den
eigenen Tinnef mit dem falschen Publikum teilen zu wollen. Allerdings flogen dann
auch intern Gegenstände, der Drummer Jenneßen ging, mit Michael Griener kam
letztlich einer, den mit Mahall von Nürnberg her schon Teenagerkumpelei verbindet,
und dessen Finesse es Roder ermöglicht, den Bass unverstärkt zu zupfen. Die
Posaune von Thewes ist bei Lavaman (Intakt CD 289) eine himmlische Dreingabe, da
er, wie Dörner mit seiner Trompete, Energie nicht an Lautstärke koppelt. Zudem hat er
schon mit Griener in Lacy Pool geplantscht und mit Roder und Mahall ist er ver-
Squakkt. Er weiß daher, dass 'Reich durch Jazz' zur gleichen Blödel-Kategorie gehört
wie 'Christian und Isolde' und 'Die Wohlgesonnten'. Drei Witzbolde blasen also nun die
Backen auf: Thewes schnörkelt und blubbert im Souterrain, Dörner kurvt halbhoch
und Mahall mit seinem der Vorsilbe Bass spottenden Klarinettentirili auf Augenhöhe
mit Lerch' und Zwerch, im Verbund so hyperbebopesk, quick und squakk, wie man es
sich pfiffiger nicht vorstellen kann. Zumal wenn Thewes die Po-Backen zusammenkneift,
dass es nur noch zirpt, wenn Dörner Töne in Spucke ersäuft, Roder den Bogen
schwingt oder pizzikato joggt, Griener wie auf Fingerspitzen tribbelt, wenn Glissandos
so tun als ob und Legato über Intervallspalten stolpert. Doch aus welchem Urban
Dictionary kommt 'Bulyah-Dath'? Ich kenne nur den Dietmar, dessen PhilosoFiction
jedoch von solcher Enttäuschungs-Kandidelei nur träumen kann.
Rigobert Dittman, Bad Alchemy 96, 2017

 

Die Enttaushchung have been around for some two decades as a quartet with mostly the same personnel (Mahall, Dorner & Roder). The same three have also been part of Alex Von Schlippenbach's group, Monk's Casino. For their latest CD, Die Enttauschung have added a new drummer, Michael Griener and a trombone player, Christof Thewes. Both of whom we know from various collaborations: Griener with Ulrich Gumpert, Carl Ludwig Hubsch & Ernst-Ludwig Petrowsky and Thewes from projects with Tomas Ulrich and Evan Parker.
Everyone in the quintet contributes compositions except for newest member Thewes. From the gitgo, the quintet sounds joyous, blending almost Dixieland-like glee with a freer weaving of their lines. "Falschlich" has an unpredictable start and stop, swing hard one moment and then erupt freely structure with some furious blowing from all three horns. It keeps stopping with some shrewd, twisted horn harmonies peppered throughout. Mr. Griener switches to brushes on "Die Wohlgesonnten", where each horn takes a short solo in between shorts bursts of tight circular interaction. What makes this quintet special is this: at times the trombone will play one line backed by the rhythm team while the other two horns play intricate lines on top, spinning tightly around one another as they go. The bass and drums a marvel, always shifting effortlessly faster/slower/faster/slower, keeping things balanced as the inner pulse stays in the center of the stream. Considering that there are some 16 pieces here (most under 4 minutes), there are a good deal of surprising twists and turns involved. This music contains very few solos (all are quite short), it is more about the way things are composed, angular structures which keeps turning themselves inside out.At more than 60 minutes, there is way too much inventive playing and composing going on here to describe here so do remember this: although Die Enttuaschung means The Disappointment, there is nothing mildly disappointing about this band or disc. Another winner from Intakt.
Bruce Lee Gallanter, DMG, Downtown Music Gallery, New York, December 1, 2017

 

 

Mark Corroto, All About Jazz, December 13, 2017

 

 

Jörg Konrad, Jazzpodium, Dez-Jan 2017/18

 

 

 

 

Marc Chenard, La Scena Musicale, Canada, January 2017

 

Marc Chenard, La Scena Musicale, Canada, January 2017

 

 

 

Der Bandname dieses Quintetts ist schon ein wenig kokett, vereint es doch einige der renommiertesten Jazzer des deutschsprachigen Raums, Rudi Mahall spielt die Klarinetten, Axel Dörner Trompete, Christof Thewes bläst Posaune, Jan Röder zupft und streicht den Bass, und Michael Griener werkt am Schlagzeug. Bei Intakt hat die Band jetzt eine aktuelle CD vorgelegt, 16 kompakte Statements auf einem Tonträger. Bis auf Thewes trägt jeder sein Quantum bei, das bedeutet Vielfalt und Abwechslung. Die fünf kennen sich in der Jazzgeschichte gut aus und haben sie gründlich reflektiert. Da klingt es manchmal nach Dixieland, anderes nach Freejazz, meist in zügigem Tempo. Eric Dolphy kommt einem in den Sinn, bei Rudi Mahalls Klarinettenfurioso häufig, natürlich Ornette, aber auch und vor allem Thelonious Monk, über den Mahall und Dörner ja schon ausgiebig und laut mit Alexander von Schlippenbach nachgedacht haben.
haun, freistil 76, 2017

 

Kay Friedrichs, Klenkes, Januar 2018

 

 

 

 

 

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