INTAKT RECORDS – CD-REVIEWS
FRED FRITH - CHRIS BROWN
CUTTER HEADS. Intakt CD 124

 

 

 

 

FRED FRITH und CHRIS BROWN sind sozusagen ‘Mills Brothers‘. Frith lehrt an diesem bemerkenswerten College in Oakland Komposition & Improvisation, sein 1953 in Chicago geborener Kollege elektronische Musik. Entsprechend ist auch dessen perlendes oder gehämmertes Pianospiel bei Cutter Heads (Intakt CD 124) um ein E erweitert, das für interaktive Resonanzen und rätselhafte Phantomklänge sorgt. Saitenklang vexiert mit Innenklaviereffekten, perkussive Schläge traktieren den Gitarren- oder den Pianokörper, elektronisches Sirren könnte Brown, aber auch Friths E-Gitarre zum Ausgangspunkt haben. Selbst wenn Frith eine Akustische bekrabbelt, bleiben ununterscheidbare Sounds. Zu Browns Profil gehören neben Improvisationen mit Room und dem Glenn Spearman Double Trio, Interpretationen von Cowell, Ferrari, Riley und Zorn, Kompositionen wie Lava (Tzadik), Invention#7 & Alternating Currents (Ecstatic Peace) und Installationen wie Talking Drum und Transmission Temescal speziell Live Electronics- Performances. Die Duette mit Frith scheinen über die Synergie spontaner Erfindungskraft hinaus an jenem Faktor interessiert, auf den mit ‘Dust‘, ‘Riddle‘ oder ‘Thick Air‘ hingedeutet wird. Dass ein drittes Element, unsichtbare Hände, mit ins Spiel kommen, wenn Browns Live Electronics auch Friths Gitarre mit transformieren, dem gemeinsamen Dritten einverleiben, an dem auf der vordergründigen Ebene weiter gezupft, geschrappt und getrillert wird. Wobei dieser Faktor, bei ‘Sings the Foundation‘ allerdings erst, nachdem halluzinatorische Loops und Drones ganz allmählich ausdünnen, immer wieder und beim abschließenden ‘The Way You Do The Things‘ sogar besonders transparente und zarte Formen annimmt, als sirrendes Gitarrenfeedback, zirpiges Geflirr, diskantes Schaben und träumerische Pianotropfen.
Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, 55, 2007

 

 

Gitarrist Fred Frith und Pianist Chris Brown, beide als Lehrer am Mills College im kalifornischen Oakland tätig, entwickeln auf "Cutter Heads" eine Art elektroakustisches Improvisationskammerspiel. Ihre Dialoge sind facettenreich und mit feinem Sinn für Dramatik gespielt – einzelne Sätze scheinen Geschichten zu erzählen, während bei anderen eher das kreative Spiel mit Klängen im Vordergrund steht. Akustische, verfremdete und elektronische Sounds werden von den beiden Musikern zu einem filigranen Netz verwoben. Interaktion auf höchstem Niveau.
schu, Concerto, Österreich, August/Sept 2007

 

 

One of music’s greatest improvisers; guitarist Fred Frith’s bag of tricks is always a source of amazement, hearkening back to his days with the cutting-edge, avant/prog-rock band “Henry Cow.” Recorded at the Mills College Concert Hall in Oakland, California, Frith and pianist/electronics ace Chris Brown engage for a string of duets, that contains semi-controlled noise-music movements and more.
Frith’s seemingly endless means of plucking and sawing a note or chord is nicely balanced by Brown’s investigative acoustic piano manipulations as the duo interweaves fragmented tone poems through six pieces. Brown’s EFX forays are largely subtle and textural. However, the musicians’ evolutionary manner of spinning an improvised tale yields fruitful results. Here, themes seemingly liquefy and remerge into asymmetrical musical statements. As a few of these works are subdivided with daintily executed sub-motifs, subliminal EFX treatments and dialogues that wind down to a near whisper. –
Glenn Astarita, Ejazznews, USA, Augsut 2007

 

 

Hier dann das bipolar gelassene Sit-In der Altmeister: was MoHa! durch feuerwerksartige Im- und Explosionen gezielt in den Raum schießen, verdichten diese beiden mittlerweile zu Professoren gereiften Improv-Asse auf nahezu klassische Freispielweise. Die Spannung, die sich aus Browns Piano und Frith akustischen und elektrischen Saiten ergibt, ist ungleich filigraner, wenn auch ebenso radikal und energetisch, nur ist die Energie nicht so auslassend und plakativ. Hier wird mehr noch der reine Klang und seine Dehnung im Raum der Zeit ausgelotet, was zu mehr Magie, Rätselhaftigkeit und gleichzeitiger knorriger Brillanz führt. Diese alten Prügel leuchten als Freunde im Dunkeln der auralen Nacht, und so manches Stück - 'Thick Air' z. B. - kann man als völlig unprätentiöses und präzises Gezausel doch einfach mal so als Freund im Raum stehen und wirken lassen und sich den eigenen Gedanken widmen. Herrlich unautoritäre Musik, die letztlich nichts anderes beweisen will als ihre konsequente Lässigkeit, dabei aber niemals beliebig oder versponnen wirkt. Zwei Stimmen erzählen vom Suchen, Finden, Halten und Loslassen der Fäden. Musik, wie sie sein soll und kann.
MADE MY DAY by HONKER, Terz, Stadtzeitung für Kultur und Politik, Düsseldorf, September 2007

 

 

Free improvisation is risky business — in the hands of lesser performers, it can come off as self-indulgent rambling or worse, a bunch playing at the same time as opposed to together. Fortunately, these two Bay Area-based hepcats and composition instructors at Oakland's Mills College are essentially ready for anything. The classically trained Chris Brown (piano, electronics) has composed for both acoustic and electronic settings — the latter often of his own design — and played free jazz with the late Glenn Spearman's Double Trio. Fred Frith (guitars) was a member of seminal UK art-rocker act Henry Cow, and John Zorn's manically eclectic Naked City — he has recorded with the Residents, composed for classical ensembles, and has engaged in much solo/duo/etc improvisation. Though far from easy listening for most people, Cutter Heads, recorded live at Mills in '02 and '04, is proof-positive that free-improv discs are good for more than lease-breaking. "Nothing But Make Me" begins brittle and convulsive before evolving into surreally probing and pensive. Frith's eerily humming, sighing, distant-sounding wails on "Sings The Foundation" are juxtaposed with Brown's lyrical, crystalline, heartrending key strokes. If the concept of two master musicians spontaneously micromanaging sound and silence intrigues, Cutter Heads is a rare prize.
Mark Keresman, East-Bay-Express, USA, September 26, 2007

 




Due tra i massimi sperimentatori della libera improvvisazione, danno vita in questo disco (registrato ad Oakland, nel gennaio 2002 e nell'agosto 2004) ad una relazione intensa e visionaria, capace di integrare i riferimenti più vari, entro un tessuto coerente e fantasioso.
Fred Frith imbraccia come di consueto le sue chitarre elettriche ed acustiche mentre Chris Brown usa sia il pianoforte che la strumentazione elettronica, in cui ha un discreto ruolo anche la sperimentazione rumoristica. Ogni brano ha una sua identità e spesso è fonte d'imprevedibili sviluppi entro un quadro che si muove tra episodi d'astratto camerismo ed altri vicini alla libera improvvisazione post-free.
Di quest'ultima estetica, ad esempio, è debitore il secondo brano ”Nothing But Make Me” (con le turbolenze pianistiche di Brown che s'intrecciano ai nervosi e variopinti interventi di Frith alla chitarra acustica) ma il tema finale (”The Way You Do The Things”) si svolge in modo quasi tradizionale, in un quadro intensamente lirico e ricco d'abbandoni romantici.
Un lavoro tanto libero e strutturalmente aperto quanto minuzioso nella definizione della dinamiche e negli sviluppi espressivi.
Angelo Leonardi, All About Jazz Italia, USA, September 2007

 

 

Fred Frith, der englische"Vollender" der Derek-Bailey-Sache, erscheint auf "Cutter Heads" (Intakt Records 124) im Live-Duo mit Chris Brown, p, electronics, in bemerkenswertem Kontrast zum Gros seines bisherigen Outputs geradezu "durchsichtig". Was freilich sehr relativ ist, wenn es um derart freie improvisierte Musik geht, wie er sie seit eh und je propagiert. Packend ist das, ein spannendes Hör-Buch mit vier, fünf, sechs Siegeln. Nur hat Friths akustische Gitarre es oft reichlich schwer, sich gegen die vielfältigen Klanggewitter seines pianistischen Geistesbruders Gehör zu verschaffen. Alles in allem aber eine ganz schön dramatische Angelegenheit.
Alexander Schmitz, Jazzpodium November 2007

 

Pat Busby, Signal To Noise, USA, Fall 2007

 

Ein elektrisch zisellierendes Geröll schiebt sich durchs Land. Ein dichtes, stahlmaschiges Gewebe drängt als ganzer Wald, als Netz abstrakt hinan. Pianotropfen fallen ohne Gravitation. Chris Brown und Fred Frith zehren fürchterlich auf. Drücken entrückte Träume in völlig kaputtes Gebiet. Leider bleibt Brown durchgehend im hinlänglich bekannten gestischen Bereich eines zeitgenössischen Tastenmusikanten. Zudem überträgt sich das verstimmte Klavier gerne auf den Magen des Hörers. Etwas zu beliebig erscheint diese Aleatorik. Auch dem Zufall gegenüber gilt es, sich mit straffer Hand heranzufühlen. Aufnahmetechnisch ist das instrumentale Mobiliar zu sehr in Hall gefasst, so dass die Musik nicht zutreffen kann. Es bildet sich kein Meisterwerk. Unausgewogen, haben die Musiker die eigenen Stärken nicht konsequent erkannt und zur Darstellung gebracht. Ein spontanes Demoscheibchen. Gut, dass so etwas verlegt wird.
Oliver Schwerdt, EUPHORIUM Magazine, Sept. / Oct. 2007

 

Andy Hamilton, The Wire, November 2007

 

 

One of the finest
Guitarist FRED FRITH should be familiar to Cadence readers. For almost 35 years now he’s been releasing albums of creative music: from his days with Henry Cow, through his peripatetic wanderings of the ‘80s-’90s and his emergence as a composer and also playing in his own groups as well as the bands of John Zorn and others. It was also during this period that he began issuing a series of duet recordings with various musicians. Currently he’s teaching composition at Mills College and still creating music at an impressive pace. CHRIS BROWN (piano, electronics), also a teacher at Mills, is lesser known yet he has been a composer/ improviser based in the San Francisco since the ‘80s and has released his own recordings as well as collaborating with people like ROVA and Glenn Spearman. CUTTER HEADS (Intakt 124) is a set of six duo improvisations (Telltale Streamers Of Dust / Nothing But Make Me / Swing Like Riddle / Thick Air / Sings The Foundation / The Way You Do The Things. 52:14.) recorded in 1/02 and 8/04 at Mills in Oakland, CA. It’s a remarkable set of duets and the sonic landscape moves from the harsh and industrial to hyperactive scrabbling activity to an almost lush, languid flow. “The Way You Do The Things” is a lovely mix of implied drone, feedback, wellplaced piano chords, guitar scratches and bowed passages and it closes out the disc on a beautiful note. One of the finest things I’ve heard from Frith in some time.
Roberto Iannapollo, Cadence. The Independent Journal of Creative Improvised Music, NY, USA, Oct-Nov-Dez 2007


Edwin Pouncey, Jazzwise, November 2007

 

Staub. Nichts. Rätsel. Luft. Wörter, die in den Titeln vorkommen, mit denen Fred Frith und Chris Brown ihre Tracks bezeichnen. Die Musik, um die es hier geht, wurde nicht als Liebeslied konzipiert oder als New Jazz-Progression ins Schema gestanzt. Sie wurde aus dem Nichts erweckt, nahm Gestalt an, zappelte, schabte, rumpelte, dröhnte und harrte in silbernen Räumen. "Cutter Heads" ist eine elektroakustische Odyssee aus sechs InstantKompositionen von acht bis elf Minuten Länge. Fred Frith, seit über 30 Jahren einer kindlich-spielerischen Radikalität treu geblieben, ist unverzagt und neugierig wie eh und je. Er trifft auf "Cutter Heads" mit dem Pianisten und Elektroniker Chris Brown zusammen. Brown hat vor allem mit dem Glenn Spearman Double Trio und Philipp Gelb gearbeitet und Kompositionen von Henry Cowell oder John Zorn interpretiert. Beide unterrichten am Mills College in Oakland/CA, der eine Elektronik (Brown), der andere Komposition und Improvisation (Frith). Auf "Cutter Heads" werden die Professoren zu Studenten ihrer selbst. Sie spitzen die Ohren und machen eine Mus'k aus feinsten Regungen. Es glbt viel zu entdecken, selbst dann, wenn man nicht konzentriert zuhört. Musik, die im Raum nistet, aber keine Anzeichen erkennen lässt, eine Tapete zu werden.
Pirmin Bossart, Jazz'n'More,Schweiz, Nov/Dez 2007

 

 

Mills College comrades, guitarist Fred Frith and pianist / electronics guru Chris Brown unite for a unique duo session. Liner notes state that "a good head-cutter knows it's not what you play, but how you play it". Having said that, each lengthy track takes on a certain motif and the duo start to play off each other. While Brown strikes high-pitched piano notes, Frith counters with striking guitar motifs. There is rarely anything as satisfying as hearing a common language developed as early as it is on this CD. When electronics emerge, they're tastefully done and Frith counters in an equally collaborative fashion. I have a feeling the two could switch seats [and instruments] and not miss a beat in the process. Truly mesmerizing session that leaves one wanting more.
Tom Sekowski, GazEta, Poland, January 2008

 

Luc Bouquet. Improjazz, France, 1/2008


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