INTAKT RECORDS – CD-REVIEWS
Pierre Favre. Arte Quartet. Michel Godard

Saxophones. Intakt CD 091

 


4 -stars

Swiss drummer/composer Pierre Favre tenders a nouveau slant on jazz-based theories.
Noted for his mentorship and session work within European modem jazz circles, including
several albums for Intakt, Favre's well-rounded musicality can't be understated. With
tubaist Michel Godard and ARTE Quartett, Favre incorporates sober musical vernaculars into
a program sparkling with perky harmonic movements, stately choruses and jazz-drenched
meltdowns.
Godard is a premier performer, setting forth an organic low end while Favre executes his
drums and percussion patterns with the flair and leadership befitting an orchestra
conductor. On "Sito," Godard initiates the proceedings with a dirge motif as the band segues
into a war-like march, accented by ARTE Quartett's unison saxophone lines. Favre's
regimented beats prod notions of an army preparing for battle with the enemy. The musicians
don't simply paint a dour scenario. Many of these works feature animated melody lines and
bittersweet opuses along with a few chambertype passages, offset by Favre's
percussion-generated interludes. -
Glenn Astarita, Downbeat, USA, February 2005

 

 

Saxophones. Pierre Favre. Arte Quartett. Intakt CD 091

Ulrichsberg. Favre/Schweizer. Intakt CD 084

One of the most important skills contributing to the longevity of an improvising musician's career is versatility. A look at several successful examples demonstrates a commitment to adaptability: Evan Parker, William Parker, Kenny Wheeler, Anthony Braxton. Two new albums by venerable Swiss drummer Pierre Favre, one an improvised duet and the other a carefully sculpted quasi-sextet session, show why he has managed to remain relevant since the early «60s while so many others wallow in their back catalogue.

Saxophones, duly named because of the presence of the Arte Quartett (soprano, alto, tenor and baritone), is a set of tightly composed, semi-classical works, at times for solo drums (Favre being one of the innovators in this genre), at others for drums, the quartet and the additional voice of Michel Godard's tuba. Favre's presence on this record is more as behind-the-drumkit baton waver - except for the solo pieces, his drumming is strictly, though inventively, supportive. A wonderfully conceptualized album, Favre presents 11 pieces, most short statements, only the 11-minute «Anecdote» working in a suite-like format. Parallels to recent albums can be made with John Surman's Free and Equal (ECM) or Evan Parker's Alder Brook (Leo), other works which incorporate horns outside the typical solo-oriented jazz tradition. Favre's compositions make good use of the textural possibilities of the group's tonal range, be it with long tones or staccato bursts. At 50 minutes, the album can function as one multi-part piece, the solo drum sections used to break up the many varied, though overwhelmingly somber and gracious, melodies.

As melodic and restrained as Saxophones is is how bombastic Favre's live duet Ulrichsberg with countrywoman pianist Irène Schweizer can be. Schweizer and Favre have played together as early as 1967's Santana trio date with the late Peter Kowald (one track here is dedicated to him). The pianist also has made a career of working in tandem with creative drummers: Han Bennink, Favre previous to this album, Andrew Cyrille, Günter Baby Sommer, Louis Moholo (all also available on Intakt). This hour-long set is a masterful conversation on an array of topics. Schweizer avoids the heavy handedness of some other pianists concentrating more on wild intervallic jumps, tension-ridden passages and stylized jaunts. Favre, who has played in trad groups and free jazz combos has an amazing arrangement of techniques and approaches at his disposal; there is no direction Schweizer can go in without Favre providing the most tasteful accompaniment. It is this taste that separates these six pieces (5 to 15 minutes in length) from much improvised music - these musicians play free but think compositionally, creating a cohesion unexpected but certainly welcome.

Andrey Henkin. All About Jazz New York. July 2004

 

 

Knüppelzart
Schlagzeug und Intelligenz sollen unvereinbar sein? Bitte einmal auf die perkussive Poesie des Pierre Favre achten, bitte. Als Gott am siebten Tag nachdachte über das Ganze, als er sich fragte, ob, was er sehe, gut sei, erfand er die Musik. Sie war nicht das Resultat seines Nachdenkens, sondern das Nachdenken selbst. Die Musik ist, was der arme alte Gustav Landauer, 1919 als Mitglied der Räterepublik im Strassenkampf von den bayerischen Regierungstruppen erschossen, von Shakespeare sagte: «die Welt noch einmal».
Der Anfang der CD, die der Schlagzeuger Pierre Favre soeben veröffentlicht hat, ist eine Art Weltgeburt. Aus Fluten von verfremdeten Blechklängen, wogend klingenden Urnebeln steigt Michel Godards urtümlicher Serpent, das heisst: der warme tiefe Holzton des sonst nur noch in musikhistorischen Puristenzirkeln gespielten Horns. Dann setzen die Saxofone des Arte Quartetts im Gleichschritt einen urtümlichen Ritualtanzrhythmus, erheben sich zu einem sakralen Chorgesang (halb Mönchsquartett, halb Harmonium), bevor sich Favre wieder ins Spiel bringt, jetzt mit archaisch dunklen Pauken und Toms. Dass das Schlagzeug als solches eher der Morgendämmerung der Menschheit zuzuordnen sei, gehört zu den schwer ausrottbaren Missverständnissen, an denen auch die abendländische Konzertmusik Schuld hat. In ihr wurde die Perkussion ab dem frühen 19. Jahrhundert mehr und mehr als Ornament, als Effekt eingesetzt: Paukendonner, Beckenkreischen und allenfalls das Totenglöcklein, wenn in fantastisch sinfonischen Gemälden ein armer Sünder aufs Schafott geführt wird. Perkussion als den Rhythmus-Raum schaffende Instanz entdeckte erst Bartók wieder und der Jazz (sehr verkürzt gesagt). Allein, noch in den fünfziger Jahren grassierten jene geisttötenden Drum-Battles, die tatsächlich zu belegen schienen: ein Schlagzeug und Intelligenz seien unvereinbar.
Pierre Favre, geboren 1937 in Le Locle, ist als Jazzdrummer mit allen Wassern gewaschen, kennt das harte Brot von Dixieland und kommerziellen Big Bands und die freie Wildbahn des Free Jazz. Seit den siebziger Jahren aber hat er sich selbst als Filigrankünstler, Feingeist, Klangtüftler entdeckt und weiterentwickelt. Auf einem hoch differenzierten und ausgedehnten Instrumentarium entwickelte er seinen eigenen perkussiven Impressionismus, immer mit viel Sparsamkeit und Sinn für Spannung durch Auslassung. Unter den vielen guten Schweizer Drummern ist er der Doyen der perkussiven Poesie, der «musikalische» Schlagwerker schlechthin.
Mit dem Basler Arte Quartett und Michel Godard, einem viel beschäftigten Tiefseetaucher auf Tuba und Serpent, wird einmal mehr der Komponist Favre hörbar. Die CD, die raffiniert mit den drei Elementen Perkussion, Saxofonchor und Tuba-Bass spielt, ist insgesamt ein Meisterwerk der Dramaturgie, der Konfrontation von ausgeschriebenen melodiösen Choralpassagen, Solokadenzen, improvisierten Zwischenspielen.
Den Solisten Favre erleben wir allerdings noch eindrücklicher in einem sensiblen, humorvollen, zuweilen sprühenden Zwiegespräch mit einem langjährigen Freund und gelegentlichen Weggefährten, dem Luzerner Fredy Studer. Ist Favre der Spitzenklöppler und Luftgeist, ist Studer sein etwas handfesterer, erdverwurzelter Widerpart. Ihr Duo ist das radikale Gegenteil der Kraftmeiereien, die wir von perkussiven Kumulationen sonst gewohnt sind. Nichts wirkt hier pleonastisch, jeder schafft dem andern Freiräume, hört zu, repliziert, setzt da eine ironische Fussnote, hier ein Frage-, dort ein Ausrufezeichen: Widerspruch und Vorschlag zur Güte, Einwand und Bekräftigung. «Crisscrossing» ist, auf der Basis einer langen gemeinsamen Erfahrung, ein mitreissender und höchst unterhaltsamer Diskurs. Viel Freiraum, aber auch mehr kluge Planung, als wir beim ersten Hören vermuten würden. Das Album sei allen gewidmet, die bis dahin dachten: Zwei Schlagzeuge allein, das sei kurios, allenfalls virtuos, auf Dauer denn aber doch ein bisschen langweilig. Von wegen.
Peter Rüedi, Die Weltwoche; 27.05.2004

 

 

Was Schlagwerker und Percussionist Favre her mit dem Sax-Arte-Quartett und Tubisten Michel Godard betreibt, ist sinnlichster Klangalchemie. Hier zeigt sich: wer soviel Selbstbewusstsein und innere Kraft hat, der muss nicht gross das Maul aufreissen, da tut's das Machen. Und woher dann mnachmal die Linien kommen, das scheint schier unglaublich zu sein. Probiert's selbst aus, wir werden Wunder sein.
Honker, Düsseldorfer Stadtzeitung, 6/04

 

 


Neue CD
Die Prozession des Trommlers

«Jazz» ist zu eng für ihn: Der erdverbundene Schlagzeuger Pierre Favre schwingt sich mit seiner neuen CD höher denn je. «Ich musste nie, ich durfte nur», sagt der 67-jährige Trommler heute und verblüfft immer wieder aufs Neue in Konstellationen und Kompositionen, die aus dem grandiosen Spiel mit seinen Möglichkeiten erwachsen sind. Das hatte ordentlich in Tanz- und Radioorchestern begonnen, wobei vier Jahre als Rhythmusknecht bei Max Greger in den 60ern des Disziplinierten wohl zuviel waren. So war Favre in den hochenergetischen deutschen und englischen Freejazz-Bigbands angekommen, um dann das Power Play in immer kleiner werdenden Formationen zu praktizieren, wobei er sein Set mehr und mehr subjektivierte. Er tat das so schlüssig und ausgesucht, dass selbst die hartgesottensten Nonkonformisten Integrationsschwierigkeiten bekamen und den Anschluss an seine Klangwelten verloren. Plötzlich war einer allein mit sich und seinen Spieltechniken. Die konsequenten Soloalben als Ergebnis dieser Identitätsfindung wurden dennoch bewundert.

Globale Einflüsse
Ganz verschiedene Erfahrungen waren zu Inspirationsquellen dieses ruhig-integren Mannes geworden, Erfahrungen aus Kulturen, in denen ein ungleich variantenreicheres Schlagzeug zentrales Instrument ist. Da war er längst viel mehr als der europäische Timekeeper. Favre integrierte Obertöne und Gongs, exotische Trommeln und in zunehmendem Masse das Element der Stille. Um das orthodoxe Schlagzeug herum wuchs sein Set zu einem Ein-Mann-Orchester. Erfahrungen in Indien, Brasilien, China, Afrika und an anderen Orten mündeten in einer Selbstbestimmtheit von seltener Konsequenz, in lyrische Ruhe-Räume, in Einkehr, Weltumgreifen und autarke Souveränität auf der Basis höchster Spielkultur.
Pierre Favre hat verschiedentlich mit Sängerinnen gearbeitet. Er hat auch Kompositionen von John Cage oder Arvo Pärt umgesetzt. «Singing Drums» hiess sein 1984 gegründetes Quartett, in dem er vier Schlagzeuger versammelte. Selten hat ein Bandname so treffend Intentionen beschrieben. Das Projekt wird konzeptionell weitergetrieben, personell gewandelt und vergrössert. An die Seite der zentralen Trommeln treten Streich- und Blasinstrumente. Parallel dazu hat sich die Zusammenarbeit mit dem französischen Ausnahme-Tubaspieler Michel Godard konsolidiert. Auch er ist so ein Global-Player, der fremde Kulturen nicht okkupiert, sondern sie sich unaufdringlich anverwandelt. Auch bei ihm scheinen die interpretatorischen Fähigkeiten unbegrenzt. Beide bilden, ergänzt um das in bestechender Disziplin zu Saxophonchorälen anhebende Arte Quartett aus Basel, den Kern von Favres neuer Aufnahme, die ausnahmslos aus seinen Kompositionen besteht.

Grosser Atem
Das ist getragen-weihevolle, in sich ruhende und die Zeiten überspannende Musik. Poetisch überraschende Klangbilder von sakraler Würde, sich von Trommelteppichen empor hebend, fragil und doch von überzeugender Kraft. Es gibt Solos, Duos und imponierenden Gruppenklang. Das ist Kontemplation und Archaik, komplex, handfest und mit grossem Atem. Das ist gebaut und durchstrukturiert bis in die feinen Nuancen und doch keine Kopfgeburt. Diese Musik schwingt sich auf in höchste Höhen und bleibt doch erdverbunden. Sie ist ein sinnliches, gar nicht auftrumpfendes Erlebnis von unaufgeregter Schönheit, eine gemessene Prozession, die diskret und weise voran schreitet.
Ulrich Steinmetzger, Berner Zeitung; 15.06.2004; Seite 12 BZ-Kultur

 

 

Mit Saxophones (Intakt 091) hat PIERRE FAVRE einen grossen Gesang für sein Schlagzeug und das ARTE QUARTETT geschrieben. Ganz anders als Urs Leimgruber bei seiner e_a.sonata.02 (For4Ears), der ihnen reduzierte Abstraktionen abverlangte, lässt der Altmeister der «singing drums« Beat Hofstetter (soprano sax), Sascha Armbruster (alto sax), Andrea Formenti (tenor sax) & Beat Kappeler (baritone sax) in klangfarbenreichem Melos baden. Die innige, dunkle Poesie wird noch zusätzlich unterstrichen durch Favres langjährigen Weggefährten MICHEL GODARD, dessen Tuba & Serpent unverzichtbar scheinen, wenn es darum geht, an die Wurzeln europäischer Musikalität zu rühren. Die fünf Bläser stimmen mit «Sito« einen Gesang an, der Schönheit und Wehmut mit dem Geisterhauch von Castel Del Monte und Montsegur verschmilzt. Valentin Clastrier und Gregorio Bardini machen eine seelenverwandte Musik, die auf subtile Weise den langen Atem der Erinnerung im ebenso langen Gedächtnis von Musik mitschwingen lässt. Favre leitet den Chor durch die Komposition, nicht als rhythmischer Antreiber. Er stimmt ein mit gedämpften, moll getönten Klangtupfern und schimmernden Messingdrones, aber einer Hand, die die Dinge nicht schwerer machen will als sie sind. Dennoch ist «Lea« ein allertraurigster Dead & Gone-Tanz und «Passage« der elegische Übergang von Kummer zu Sorge. Dazwischen blubbert die Tuba im Dialog mit den Drums «Hippopotamus« und das kurze «Options«, das einen ironisch vor die Wahl stellt zwischen beschissen und hoffnungslos. Warum sich gerade eine so zartbittere Musik der Verbitterung in den Weg stellt, kann ich mit Worten nicht erklären. Wundersame Trommelsolos wie «Stampede« und «Les jeux sont faits« und das hinreissende Auf und Ab der Scheherazadiade «Anecdote« geben die vitalen Impulse. Kontrafaktisch zur Tristesse des Chores streuen sie das widerständige Salz in dieses Fest der Melancholie, die sich mit «Saxophones« swingend-pfiffig verabschiedet im sicheren Gefühl, dass auf ein düsteres Mittelalter eine Renaissance folgt.
Rigobert Dittmann, Bad Alchemy 44, September 2004

 

 

 

PIERRE FAVRE
Saxophones
Intakt
CD 093


SCHWIMMER
7X4X7
Creative Sources
cs013

Superficially, it would seem that the chief difference between the reed-and-percussion sessions that makes up SAXOPHONES and 7X4X7 is that the former includes a tuba player and one additional reedist.
Not so fast -- the conception and execution of these two CDs is so antithetical that they could come from completely different musical planets. Led by veteran Swiss percussionist Pierre Favre, SAXOPHONES is on the formal side of the improv world. It alternates readings of his compositions by the complete ensemble including the ARTE (saxophone) Quartett (sic) with tracks that showcase the drummer's extraordinary solo traps work. Berlin-based Schwimmer, on the other hand, is a reductionist combo concerned with organization of sounds in space on the border of inaudibility.
Committed to choir-like harmonies, the classically oriented ARTE Quartett has collaborated with other jazz improvisers like American saxophonist Tim Berne and Swiss saxophonist Urs Leimgruber. French tubaist Michel Godard has worked in similar chamber situations with countrymen cellist Vincent Courtois and Dutch pianist Misha Mengelberg. One of Switzerland's earliest free players, Favre has a longtime musical relationship with Swiss pianist Irène Schweizer, as well as many Italian, German and French players such as Godard.
The cast of characters on 7X4X7 represents a younger generation most stimulated by the differences between sound and silences. Milan-born soprano saxophonist Alessandro Bosetti plays with other microtonalists like American saxist Bhob Rainey and German prepared guitarist Annette Krebs. Munich-born flautist Sabine Vogel moves between New music, pop and a duo with Australian drummer Tony Buck. Clarinetist Michael Thieke has worked with American jazzers like drummer Jim Black plus reductionists like trumpeter Axel Dörner, who also plays with Bosetti. Nuremberg-born drummer Michael Griener has the widest experience, with gigs ranging from backing up mainstream jazz guitarist Herb Ellis to playing with Dörner.
Ellis' licks will be the farthest thing from your mind on 7X4X7 however. If the longtime Oscar Peterson sideman's leitmotif is bluesy swing, then Schwimmer's is a shrill, almost ear-splitting tone that for 10 to 15 seconds at a time emanates from one or two of the reeds, pushing past dog-whistle territory into the realm of discomfort.
This happens most frequently on track four, though with all the piece about the same length, the piercing tone is about all that distinguishes it from the others, since all coalesce into one piece of absolute microtonal sound.
In between these shrill ear canal invasions as well as a feline hisses and simple puffs from the reeds, are extended screw tightening noises from Griener that lead to direct hits on cow bells, hollow wood blocks and rattling maracas. Although the occasional bounce, flam and press roll is heard, most of the drummer's conception is as involved with extended techniques, as the reedists are. Among his creations are prolonged scratches on the ride cymbal top with a drum stick, a crumpling newspaper sound and extended timbres that result from using a wire brush for swizzle stick-like motions on parts of his kit.
Not to be outdone, the horns produce throat growls from within their body tubes, Bronx cheers, reed smears, tongue slaps, the sound of saxophone bells muted against trouser legs, hisses, irregular vibrations, key percussion false fingering and flattement. Squeaking mouse tones and chickadee squeals also arise in the flute and penny whistle-like textures from the clarinet. Combing in double or triple, often broken octaves, one reed can resonate with busy wasp stings, while the other produces deep throat gurgles. Together, triple counterpoint gives the three a wider, more dissonant sound, melding and increasing in intensity until all pitchslide into polyharmonic glissandi. Meanwhile, Griener repeatedly scrapes his cymbals.
Overall, the most distinctive -- and most frequent oral technique from the reedists -- is also the simplest: billowing pure colored air through the body tube without moving the instrument's keys. The result can be a wisp, a gargle or a subterranean roar, at intervals accompanied by compact bell-ringing tones.
This reed group is most concerned with the atonal extensions and diatonic discord available with the horns. The classically oriented Arte Quartett, on the other disc, is most involved with reed choir harmonies.
Although other tracks may show off the quartet's gorgeous dabs of close harmony to better effect, it's on the more than 11-minute "Anecdote", where everything falls into place. The composition extends the pulse created by Favre with hard felt tympani mallets on the floor tom and tambourine shakes from the hi-hat, with polyphonic meshed saxophone line and focused tuba blats. Slowed down to adagio, the pace then picks up when the higher-pitches reeds meet tuba pedal point and split apart following Favre's irregular beats. Beat Hofstetter's soprano saxophone then twitters and trills, Sascha Armbruster's alto draws out a straight line and Godard plays descending triplets.
In response, the percussionist showcases ratcheting bounces and cymbal splashes, which precedes the horns meshing into a jolly jig-like interface deepened by brassy pedal point blasts. With Favre sounding as if his drum polyrhythms come from barehanded pressure, the soprano sax shrills out some double-tongued atonal lines until all combine for a march-like finish.
Buzzing cymbal textures introduce resolute, massed four-part harmonies on "Passages", with the Arte Quartett members functioning like the interconnected parts of a Swiss watch. This polyharmony also serves as a buffer for Godard's most impressive showing -- moving andante as he builds up the multi-colored, low-pitched shades of his horn. Favre's drumbeat is there, but is so subtle that not one of the sweet sounds is disrupted.
Versatile inventiveness characterize the veteran percussionist's solo tracks, which of course are part of percussion DNA that that feeds younger traps men like Schwimmer's Griener. During the course of those displays, Favre uses tympani mallets, brushes and drum sticks to create tones that include prestissimo patterns on tubular bells, an underlay of snare rumbles, rattles on bell trees and tam tams, isolated nerve beats, bongo drum intimations and flams on steel-drum-like tuned snares.
Sounds that resemble nakers or small medieval kettledrums appear as do lathed cymbal snaps and resonation that could come from circular saw motions. Don't forget as well that Favre can also easily play a swing beat.
Approaching percussion and reeds from different angles, these fine CDs highlight the tremendous variety of what gets classed as so-called jazz or improvised music. It's the listeners who benefit from this versatility.--
Ken Waxman, www.jazzword.com and www.jazzweekly.com, January 2005

 

 

Obwohl Pierre Favre eigentlich auch eine Art Superheld ist, sträubt sich sein neues Werk gegen lustige Analogiebildungen. Die Grundstimmung der CD ist transparent und melodiös, beinahe sakral. Favres Schlagzeug braucht diesen Raum, um seine unglaublich differenzierte Klangpalette auszuspielen, was gerade in den unbegleiteten Stellen wieder zu andächtigem Staunen über das Tonformungsvermögen des Drummers führt. Im Zusammenspiel mit den Saxofonen und Dauerpartner Michel Godard an Tuba und hölzernem Serpent entstehen kontrastarme Mischklänge, der ruhige Fluss der Sätze und die perkussiven Tupfer schöpfen aus dem kollektiven Gedächtnis der europäischen Musik von Orlando di Lasso über Bach bis in die Gegenwart, verbunden mit dem gar nicht europäischen Einsatz der Trommeln als fast melodiöse Partner der Bläser, um Momente der andächtigen Freude am Klang zu kreieren. Was unter weniger berufenen Händen allzu schnell in Richtung Kitsch und/oder Kalkül absinkt (Garbarek!), geht hier in einer Musik auf, die ganz bei sich ist.
Eric Mandel, Jazzthetik, Deutschland, 10/2004

 

On connaissait Pierre Favre défricheur d'avenir aux côtés de Michel Portal, un certain jour, à Châteauvallon. On avait applaudi le duettiste spontané conversant passionnément avec Irène Schweizer. On se souvenait de l'improvisateur invité du LJCO de Barry Guy et bien sûr du conteur solitaire, celui qui, au milieu d'un set de batterie si personnel, ne cessait de réinventer le langage de la percussion moderne. Mais on avait oublié le Pierre Favre compositeur, que ce soit dans le domaine du jazz, de l'orchestration symphonique ou de la création contemporaine. C'est cette face de lui-même qu'il a donc choisi de nous présenter dans ce disque, laissant finalement peu de place à l’ improvisation, mais nous révélant la lumineuse inspiration de sa musique intérieure.
A cet effet, il a convié auprès de lui un carré d'as saxophonistes, l'Arte Quartett, des gens qui se connaissent bien et qu'il a su mener sur le chemin de son expression propre. Et, comme pour plus de sûreté, il s'est attaché les services solides et profonds de Michel Godard, joueur de tuba et charmeur de serpent, chargé de fondations, et capable, le cas échéant, du lyrisme le plus aérien.
Entre deux pièces aux accents parfois moyenâgeux et souvent religieux, il nous gratifie d'un de ces intermèdes solitaires dont il s'est fait le spécialiste et les cymbales ou les toms se souviennent de l'Orient tant de fois visité. Puis, par couches successives et teintées de pastel, les nappes mordorées du souffle, gravées dans le cuivre des saxophones, se rejoignent peu à peu, construisant un édifice sonore à l'architecture généreuse, ample et douce. On pense alors aux impressionnistes français, de Debussy à Fauré... Même si Stravinsky n'est jamais loin.
La musique de Pierre Favre est limpide comme l'eau des glaciers et son écoute a de bien curieux pouvoirs, comme de nous rendre perméables et disponibles, intelligents en somme. Un peu de cette grâce dont Steve Lacy s'était fait le chantre et qui nous manquerait tant, sinon.
Et quand le disque s'étrangle dans un dernier feulement, après une ultime chanson de troubadour qui pourrait évoquer le travail d'un Trovesi peut-être, on garde au fond de soi les mélodies sensibles et les images que Pierre Favre a su nous suggérer, comme pour mieux nous dire « Au revoir! », avant de repartir pour un de ses interminables voyages.
Joelle PAGIER, Impro Jazz, Mars 2005

 

 

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Pierre Favre signe un disque en sympathie avec les musiques qui naissent aujourd'hui au Nord de l'Europe autour de Trygve Seim, Christian Wallumrod ou Mikhail Alperin, à la frontière de la tonalité et des musiques modales de la vieille Europe. Les pages qu'il a composées pour un quatuor de saxophones d'une souplesse remarquable (1) se développent avec une généreuse ampleur sur des parties de basse destinées au tubiste et joueur de serpent Michel Godard. Évoquant le plus souvent le lyrisme de la Renaissance et des grandes traditions chorales liturgiques (mais aussi un certain Stravinski), ce néo-classicisme ne se prête à l' improvisation que de manière très ponctuelle et minimaliste. Battues avec une infinie délicatesse par le leader, ces compositions alternent avec des parties de percussions d'une grande musicalité nourrie de traditions extrême-orientales. Michel Godard s'y invite parfois au dialogue. On a beau n'adhérer qu'à moitié à cette musique comme retirée du monde, la qualité de son écriture, de son exécution, son refus de la démagogie et l'honnêteté qui s'en dégage ne sont pas sans forcer l'admiration.
Franck Bergerot, Jazzman, 1/2005, Paris

 

 

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