INTAKT RECORDS – CD-REVIEWS
Anthony Braxton - Andrew Cyrille

Duo Palindrome 2002. Intakt CD 088/089

 

An Anthony Braxton scheiden sich die Geister. Den einen gilt der 1945 in Chicago geborene Saxophonist und Komponist als genialer Avantgardist, den anderen als geheimnistuerischer Blender. Erdrückend ist die Zahl seiner Aufnahmen, verwirrend sind seine musiktheoretischen Schriften und seine eigenwillige Notation. Zum Glück hat Peter Niklas Wilson mit seiner Monographie (Oreos 1993) einen Pfad durch den Dschungel gelegt. Einen ganz unmittelbaren Zugang zu Braxtons Welt bieten nun zwei CD, die der Musiker an einem einzigen Tag, dem 26. Oktober 2002, zusammen mit dem Drummer Andrew Cyrille aufgenommen hat. Die beiden kennen sich seit 1969, haben ab und an miteinander gespielt und finden hier zu einem aufmerksamen Zwiegespräch voller Überraschungen zusammen. Eigenkompositionen, alte und neue, wechseln mit freier Improvisation; der Titel «Palindrome», der auf ausgetüftelte gegenläufige Strukturen verweist, gilt indes nur für eins der fünfzehn Stücke. Gewiss: Die hundert Minuten Saxophon und Schlagzeug sind kein Kuschel-Programm; sie sind aber auch keine zerebrale Bastelei, sondern beschreiben eine farbige Klangreise, die Braxton (der schon mit Max Roach hörenswerte Duos eingespielt hat) von seiner zugänglichsten Seite zeigen. Erwähnung verdienen auch die gehaltvollen, in den Booklets abgedruckten Interviews, die Ted Panken mit den Musikern geführt hat.
Manfred Papst, NZZ am Sonntag; 11.07.2004

 

 

Mit jemanden zu spielen heisst, ihn zu respektieren, ihm zuzuhören und von ihm zu lernen. Heisst, mit ihm eine durch Form, Wissenschaft und Magie bestimmte Raum-Zeit zu teilen. Dabei geht es um Transparenz und ein nicht-hierarchisches Geben-und-Nehmen. Das und vieles mehr diktierte ANTHONY BRAXTON 2003 seinem Interviewpartner Ted Panken ins Mikrophon, nachzulesen als Linernotes in Vol.2 von Duo Palindrome 2002 (Intakt 088/089), den Zwiegesprächen von Braxton mit seinem Schlagzeugkollegen ANDREW CYRILLE. Braxtons Neigung –‘proclivity‘ ist eine seiner Lieblingsvokabeln – zur geistigen Durchdringung von Musik und sein Bemühen, durch das, was er „multiple hierarchic“ nennt, ein nicht-pythagoreisches Bausatzsystem zu entwickeln, das an der universellen Superstruktur einer holistischen Klang-Raum-Zeit baut, ist in jeder seiner Äusserungen spürbar. Aber erst recht in dem Gedankenaustausch, den er am 26.10.2002 an der Wesleyan University in Middletown, Connecticut, mit Cyrill führte, der sich in seinem Interview mit Panken als ein Feel-good-Typ ohne artikulierten Überbau geriert.

Umso mehr ist Braxton völlig bei sich selbst in der ganzen Komplexität seines Ansatzes: „having fun“, „as a mystical discipline“, „as a scientist“, „with respect to vibrational radiance and motivation“, „with respect to the memories of an ongoing moment“, insbesondere mit grossem Respekt für seinen 1939 in Brooklyn geborenen, also sechs Jahre älteren Partner, dem er erstmals 1969 in Paris begegnet war und dessen in jenem Jahr eingespielte Solo-LP What About (BYG) er bewunderte. Cyrille, damals der Drummer von Cecil Taylor, bei Unit Structures (1966) bis Spring Of Two Blue J‘s (1973), und somit zwangsläufig ein Outcast für die Gralshüter des Jazz, und der sperrige Multisaxophonist aus Chicago haben bisher lediglich an Braxtons 1988er Tristano-Projekt für Hat Art zusammen gespielt. Zwiesprachen hielt Cyrille mit Drumkollegen wie Graves oder Tarasov, der Pianistin Irène Schweizer (Intakt 008) und unter den Saxophonisten mit so starken Persönlichkeiten wie Lyons oder Brötzmann, wobei ihm der Spagat zu europäischen Spielweisen nicht schwer zu fallen scheint.

Braxton suchte umgekehrt mehrfach die Unter-4-Augen-Konstellation mit Drummern wie Max Roach, Gino Robair oder Abraham Adzinyah. Sein, wie Cyrille es empfindet, ‘pointillistischer‘, oft staccatohafter Umgang mit Rhythmik geht einher mit einem Gespür für Situationen, die ein Legato verlangen. Diese Fähigkeit, in unterschiedlichen Kontexten unterschiedlich zu agieren, macht ihn zu einem perfekten Partner. Das gleiche gilt allerdings für Cyrille selbst, dessen flexible Eigenwilligkeit zwar stark auf den Bausätzen eines afrikanischen Rhythmusgefühls basiert, die ihn aber nicht hindert, diese Bausteine kontextuell zu modifizieren. Cyrills Rückbezug auf die afrikanische Westküste, die Häfen, aus denen die Sklavenschiffe ausliefen und auf den Ozean als Medium von Entführung und Erinnerung ist ausgeprägt in Kompositionen wie ‘Water, Water, Water‘ und ‘The Navigator‘. Er leitet daraus aber keine reduktionistische Haltung ab, vielmehr die Flüssigkeit eines Go-Between. Sein Spiel zeigt deutliche Affinitäten zum Ansatz des AACM, Spezifika der Afro-Diaspora mit europaischen Modernismen zu vermitteln, wie es Braxton mit ‘Composition No. 310‘ & ‘No. 311‘ einmal mehr vorführt.

Die 15 Duette sind eine Fundgrube zum endlosen Studium der Kunstfertigkeit und Offenheit, mit der zwei kontrastreiche Weltbürger miteinander und mit der Weiterentwicklung der Syntax ihres Mediums umgehen im Hinblick auf etwas, das Braxton „forward space“ nennt und „moving towards universality“.
Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, Deutchland, September 2004

 

 

Wissenschaftler und Prediger
Die Jazz-Saxofonisten Anthony Braxton und Charles Lloyd spielen auf neuen Platten im Duett nur mit einem Schlagzeuger. Von Christoph Merki Ob das einen auf Dauer nicht ermüdet? Satte hundert Minuten Musik legen Anthony Braxton und Schlagzeuger Andrew Cyrille auf ihren Alben «Duo Palindrome 2002, Vol.1 & Vol. 2» vor. Ganz schön viel ist das, gemessen an der asketischen Besetzung: Weder Gitarre noch Piano spannen ein Fangnetz aus Harmonien auf. Zünden hier die Ideen nicht, ist alles verloren. Indes muss man sich um das Gespann Braxton/Cyrille keine Sorgen machen. Das zeigt ein Vergleich mit der ebenfalls eben erschienenen Doppel-CD «Which Way Is East» von Charles Lloyd mit Drummer Billy Higgins, wo manches episch lang, mitunter fahrig gerät. Braxton und Cyrille üben sich dagegen in strikter Selbstbeschränkung - und gewinnen nur dabei. Luftige Jazz-Capriccios Während Cyrille in den 1960ern mit seinem frei pulsierenden Spiel an der Seite von Klavier-Pionier Cecil Taylor agierte, ist der 60-jährige Braxton aus dem klassischen Freejazz Chicagos hervorgegangen. Dabei interessiert er sich ebenso für Charlie Parker wie für John Cage, und er erklärte einmal, er sehe seine Hauptaufgabe im wissenschaftlichen Erkunden der Musik. Er soll ein hervorragender Schachspieler sein - wen wunderts, dass er auch in der Musik kaum etwas dem Zufall überlässt? Nach zwei Stücken von «Duo Palindrome» haben sich alle anfänglichen Zweifel verflüchtigt. Weder Motivik noch Harmonik prägen die abenteuerliche Musik, sondern konzeptionelle Ideen. In «Celestial Gravity» zirpt das Sopransax in höchsten Lagen und knüpft ein Geflecht aus zerbrechlichen Tönen; eingetaucht ist alles in luftige Cymbalklänge. In «Quickened Spirits» greift Braxton zum Kontrabass-Saxofon und inszeniert sich als humorvolles, tollpatschiges Trampeltier; Cyrille bespielt dazu virtuos die Kanten der Snare-Drum. Jedes der Stücke ist von einer meist diszipliniert durchgehaltenen Idee getragen. So entstehen abwechslungsreiche Minidramen, manchmal auch beschwingte Capriccios. Kalkül und Spielwitz gehen zusammen. Expressiver, aber weniger geschlossen spielt das Gespann Charles Lloyd/Billy Higgins. Der 67-jährige Lloyd bleibt ein beseelter Hymniker und ein ausdrucksstarker Prediger. Er und sein Kollege greifen auf ihrer Tour d'horizon durch Jazz, Latin und Weltmusik neben ihren Stamminstrumenten zu allem Möglichen. Unbekümmertheit gibt den Takt vor. Es resultiert eine kunterbunte Platte, die aus der reinen Musizierfreude geboren scheint.
Christoph Merki, © Tages-Anzeiger; 26.08.2004

Anthony Braxton - Andrew Cyrille: Duo Palindrome 2002, Vol. 1 & Vol. 2 (Intakt Records/RecRec).
Charles Lloyd - Billy Higgins: Which Way Is East (ECM/Phonag).

 

 

Ein erwachsener Dialog
Das Riesenarsenal von Holzblasinstrumenten, dessen sich Anthony Braxton bedient, hat viel zu tun mit seinen frühen Jahren bei der Chicagoer AACM und der Experimental Band, in der er in den 60ern spielte. Sie war ein Vorläufer des Art Ensembles of Chicago, der Band also, die aus fünf Multiinstrumentalisten bestand, die fortan Groþes und Kleines, Lautes und Leises, Primitives und Intellektuelles und sich untereinander als absolut gleichberechtigt behandelt haben.
Anthony Braxton (59) ist sehr bald und sehr konsequent eigene Wege gegangen. Die Vielzahl der Instrumente ist geblieben: diverse Klarinetten, Oboe, Flöte, Sopran-, Tenor- und vor allem Altsaxophon, aber auch das gigantische (und seltene) Kontrabasssaxophon. Aber wie in seiner kompositorischen Arbeit, ist Braxton auch in seinem Spiel Perfektionist. Sein zufallsfreies strukturelles Denken spielt ins Abstrakte, ins Verkopfte, und wer ihn nicht verstand in seinen konstruktivistischen Exkursionen, zog gern den Vorwurf der swingfernen Blutleere aus dem Ärmel. Formelhaftes wie in der Mathematik bestimme sein Spiel, ein professioneller Schachspieler eben.
Dem gegenüber stehen die Superlative der rückhaltlosen Bewunderer. Braxton ist ein gnadenlos guter Saxophonist, einer mit unglaublichem Tempo, breitem Spektrum und hoher Intensität. Einerlei ob auf seinen mäandernden Soloalben oder in peripheren Arbeiten für das 237 Musiker umfassende Creative Music Orchestra oder für 100 Tubas. Sein Spiel ist von abgekühlter Intellektualität, nah an den europäischen Neutönern und anders als das der klassischen Jazzavantgarde sonst. Im Kontext seines ungewöhnlich kolossalen Werkes hat man darüber die eher orthoxen, spielfreudigen Platten oft übersehen: «Conference of the Byrds» etwa mit Dave Holland und Sam Rivers, «One in Two, Two in One», die Duette mit Max Roach, oder sein Lennie Tristano-Tribute von 1988.
Damals bereits saþ Andrew Cyrille (64) am Schlagzeug, ein Generationskollege, den er seit 1969 kennt und den er schon lange zu seinen Favoriten unter den Drummern zählt. Bei Cyrille, der besonders als langjähriger Kompagnon Cecil Taylors bekannt wurde, ist unter allem Pulsen der Trommeln der Beat immer organisierendes Mittel geblieben, wie ein Ankerwerfen im Afrika der Vorfahren. Und wenn er sich hier mit Braxton zu einem anderthalbstündigen erwachsenen Dialog trifft, gibt seine Komposition «The Loop» aus den Siebzigern das schönste Beispiel dafür. Wie ein unendliches Ostinato schlägt er ein markantes Muster durch, über dem sich Braxtons Sopran emporschwingen und intensiv entfalten kann. Keine Frage: Diese Aufnahme ist ein Gipfeltreffen auf der Mitte von Abstraktion und Emotion. 15 Eigenkompositionen und Spontanimprovisationen, immer transparent und kontrolliert, zugänglich und von nicht überhitzter Weisheit. Ein Geben und Nehmen ist das, ein Aufeinanderhören und Reagieren als Basis der frei flieþenden Entfaltung. Bequeme Musik ist dieses tatsächlich erste Zwiegespräch der Giganten trotzdem nicht.
Ulrich Steinmetzger, sonic, Mai 2004

 

Duo Braxton-Cyrille
«It feels good!»
Das ist kein Werk der grossen Gesten, keine Effekthascherei, keine akrobatische Demonstration, kein Egotrip zweier Virtuosen. Die Stimmen dieses Duos bleiben nachvollziehbar, ohne in Beliebigkeit oder Gefälligkeit abzugleiten; was freilich bei diesen Musikern, dem Saxofonisten Anthony Braxton und dem Schlagzeuger Andrew Cyrille, nicht anders zu erwarten ist. Die beiden Musiker haben sich einen alten, auf die Achtzigerjahre zurückgehenden Wunsch erfüllt: Sie fanden sich zu einem sehr persönlichen, sehr intimen Dialog. Fast etüdenhaft wirken diese 15 Stücke, gut eineinhalb Stunden Musik verteilt auf zwei CDs. Die klaren Linien, die Einfachheit der Musik mögen täuschen – das Einfache ist ja stets das Schwierige. Dennoch darf man im Falle Braxtons darauf hinweisen, dass er, dem man immer wieder eine verquere Kopflastigkeit vorwirft, sich hier von einer ungekünstelten, verständlichen Seite zeigt. Musikalischer Dialog Dem entspricht ein zurückhaltender, verhaltener Cyrille, der das Schlagzeug hoch sensitiv bearbeitet. Kompromisse, Abstriche am persönlichen Stil? Kaum. Viel eher das kongeniale Eingehen auf den Partner, das Wesen des Dialogs. Die CDs enthalten zwei ausführliche, äusserst informative Interviews mit den Musikern. «Ich finde sein Werk total erfrischend», sagt Braxton dort über Cyrille. Und der Schlagzeuger zum Spiel mit dem Saxofonisten: «It feels good!»
Meinrad Buholzer © Neue Luzerner Zeitung; 21.09.2004

 

 


ANDREW CYRILLE: True Professional
Over two weeks in July, the Manhattan club Iridium presented two different bands primarily composed of survivors of the '60s "New Thing." The common denominator was drummer Andrew Cyrille, who fed and stoked the simmering fires that once fueled the cohort's mission to change the world with music.
During the first week, Cyrille participated in openended sets with Henry Grimes and Perry Robinson, who were joined for one night apiece by Dave Douglas and Gary Bartz and for the final four by Bennie Maupin. On week two, Cyrille and bassist Reggie Workman propelled Archie Shepp and Roswell Rudd through their own music. Cyrille addressed each circumstance with the finesse and power of a master tennis player, instantly intuiting intentions, recalibrating dynamics and rhythmic shape, and responding to every salvo with accurate volleys.
These qualities are no secret to Cyrille's peer group. Attracted by his penchant for transfomiing a multitude of drum dialects into a continuous stream of ideas, improvisers like John Carter, Muhal Richard Abrams, Leroy Jenkins, Oliver Lake, Don Pullen, David Murray and John Lindberg employed him extensively on projects during the '80s and '90s. During the past 15 years, he's partnered with Workman in a coop trio with Lake, and on various gigs and recordings with Mal Waldron, Horace Tapscott, Dave Burrell, John Tchicai and Finnish saxophonist Juhani Aaltonen. Over the past decade he's led more consonant, grooveoriented ensembles that articulate the rhythms and melodies of the African diaspora. These followed the 1969 solo drum recital What About (BYG) and the 1972 percussion discussion with Milford Graves, Dialogue Of The Drums, the first in a long string of albums that document extemporaneous encounters between Cyrille and improvisers from every corner of the planet.
One such recital is Palindrome: 2002, Vols. 1 & 2 (Intakt), on which Cyrille and reed player Anthony Braxton play each other's compositions and improvise extensively. Looking back, Braxton illuminated Cyrille resourcefulness at musical conversation. "Andrew has his own specal rhythmic logics and sense of time, and he hears everything in the music," Braxton says. "He has a clear understanding of what constitutes an idea. He's a conceptualist who's able to respond to the moment in a dynamic array of syntaxes and propositions, and goes to the heart of the problem."
"Andrew is sharpminded," says Grimes, who recalls first working with Cyrille on a Brooklyn gig with baritone saxophonist Harry Cainey in 1963. "We develop forms playing with each other. It's important to remember that we both learned to do that playing with Cecil Taylor. You never forget those things."
Born in 1939 in Brooklyn to Haitian immigrants, Cydlle learned his rudiments in ajunior high school drumandbugle corps from instructors like Lenny McBrowne, Willie Jones and Lee Abrams They brought the aspirant to see Max Roach rehearse at a bar called the Putnam Central. By 16, Cyrille was earning pocket money on local dances and social functions with a trio that included guitarist Eric Gale. Soon. he was swinging on gigs with eminent beboppers like pianist Duke Jordan and baritone saxophonist Cecil Payne.
One afternoon in Brooklyn, trumpeter Ted Curson heard Cyrille practicing, came in from the street to listen, and invited him to come along. Armed with his snare drum, the Philly Joe Jones acolyte first met Taylor, who invited him to play. As twilight approached, they went uptown to continue the session. "I had never heard anyone play the piano that way," Cyrille recalls.
Taylor was similarly impressed. "What 1 remember about Cyrille is a Mal Waldron gig at a place on 158th Street called Branker's," Taylor says. "Mal invited me to sit in, and at one point Andrew sat in with me. He played a rhythm that made me stop playing. I looked at him. and I asked, 'And what is that?' He gave me that wonderful Haitian smile and said, 'Well, you want me to try it again?"'
In 1960, Cyrille, daunted by the rigors of studying chemistry at St. John's University by day and performing at night, opted for music and transferred to Juifflard. He began to accrue the strains that would come to define his tonal personality. "My teacher said he'd prepare me to work in a symphony orchestra, but my head was into jazz," Cyrille says. "I found people who would help melike Nellie Lutcher, Mary Lou Williams, Illinois Jacquet, Hank Mobley and Kenny Dorham. The first drummer Freddie Hubbard played with when he came to New York was me. Same with John Handy."
On gigs and recordings with Sudanese bassistcomposer Ahmed Abdul Malik and with Babatunde Olatunji's drumcentric ensemble, Cyrille began the process of extrapolating the rhythms of Africa to his drumset. At the June Taylor School of Dance, he played classes for emerging choreographers like Michael Bennett, Jamie Rogers and Claude Thompson, and learned to create rhythmic narrative. "Someone would tell me, 'Make my body move,' and 1 had to accent in a way that would do that," he says. "That experience taught me a lot about playing drums in an independent manner, and 1 drew upon it in making solo percussion records."
As Cyrille expanded his knowledge base, he grew restless with the musical status quo. These issues evaporated with Taylor, who began to employ him regularly in 1964. "With Cecil I could do whatever 1 wanted," Cyrille says. "Only twice during the 11 years 1 played with him did he ever ask for five beats of this or three beats of that. He'd say, 'Man, you know how to play the drums. Do what drummers do."'
"Cyrille had a secret," Taylor says. "You could take him wherever you wanted, and he had the ability to distill whatever the structures were, to go with you there, and react in the most musical way in any situation.
He's the epitome of the logical, but beyond that, he's magical. The logical world could be painfully objective, but he's magical in the sense that he understands what the sound perimeters are, and because of his exquisite taste, he makes a transition from being logical to being a spiritual healer."
During the '70s, as musicians from Chicago, St. Louis and Los Angeles came to New York and shook up the scene, Cyrille found new sources of inspiration. "I got from those people that there's no particular formation or configuration to play his music," he says. "I appreciated that cultural perspective. It boils down to dealing cooperatively within the concept the music presents to find exciting, new and different stuff. It's how you reinterpret the prescription to make things happen.
"When I'm playing with Braxton or Muhal Richard Abrams, it's a different prescription from 40 years ago. But sometimes with Muhal it's the same, because he often plays blues at the end of his gig, and hell want a backbeat. I used to play organ gigs at places where Don Pullen played, like in Hempstead, Long Island, when those sleepin women who worked at the homes out there had a night off. People were dancing and men were meeting women, and a lot of times you had to play those blues so those people could get off, so they could feel they were having a good time. You learned how to do that. That's part of being a professional. With Cecil I did what I wanted. But the challenge then is to keep something happening on the same level as it would if I was playing the blues, or playing with a dancer who said to me, 'Make my body move."'
Closing in on 65, Cyrille is not about to close any doors. "When the element of surprise is not there, it doesn't seem like there's too much happening," he says. "I remove as much of any barrier as I can and always try to have something that will surprise not only myself, but the musicians I am playing with and the audience that listens."
Ted Panken, DownBeat, USA, Nov. 2004

 

 


The performances of Duo Palindrome 2002, Volume 1 and Volume 2 (intakt 88 and 89) may be the product of men nearing 60 or beyond, but both volumes of duets are as forceful and alive as anything Anthony Braxton (b.1945) and Andrew Cyrille (b.1939) have ever recorded. They are rare examples of the improvising arts: patient, controlled, emotive, with a perfect understanding of each other's every move. As the title suggests, Volume 1 may be preceded by Volume 2, or vice versa, but these discs offer a lot more than technical trickery. Enter this conversation at any point and you'll find some of the most unforgettable music you've recently heard.
Recorded in October 2002 in Middletown, Connecticut (at Wesleyan University, Braxton's academic home) there are 15 duets - some new compositions, some improvs and a few older works, too. Despite a distant acquaintance spanning nearly 35 years, this was the first time these men have ever played alone together.
Thankfully, lntakt has once again done an extraordinary job with a special event. The sound is magnificent (kudos to Jon Rosenberg) and the booklets contain a series of beautiful black-and-white pictures scattered inside long interviews with the players conducted by American journalist Ted Panken.
The music itself is markedly different, from the first disc to the second, but equally exceptional. The first is made up largely of free improvisations, while the second only has a pair. Overall, however, there is such a diversity
of materials that nearly everything these men offer is new.
Things often begin simply, with short, spare repetitive gestures creating a space before gradually edging outward. Take Cyrille's "The Loop," something he first recorded in the 1970s. Here the central idea, he says, is "'like a figure-8 lying on its side, like an infinity sign. You go back and you go forth, back and forth." The result is gorgeous, with horn layered over percussion. On "Ascendancy," an open piece, Cyrille is fixed on brushes early on, a nearly transparent chatter, while Braxton's saxophone stutters and locks and flares. Soon, he switches horns, Cyrille moves to sticks, as things take on a terrific drive.
Some pieces are filled with set motifs and structures (especially Braxton's compositions 310 and 311), elaborate strings of ideas (Cyrille's "Dr. Licks"), amazing cail-and-response patterns (the improv "Sound Relations") and wonderful African beats (Cyrille's 6/8 Ghanaian rhythm on "Water, Water, Water").
Cyrille still creates the kind of tension and release that very few percussionists can pull off. And Braxton isn't cowed by his colleague's command either. On "Water," for example, he gradually groups ideas in tight clusters, pushing, as Cyrille's nearly independent rhythm grows. On every instrument he picks up, Braxton's sound is sweet and strong; indeed, he seems to draw on at least a half-dozen saxophones and clarinets. Something like "Dreams Alive ... Concretize," from Volume 2, is so neatly aligned - with its poise and pointed little sections - you think they've talked themselves through it. Hardly. These guys just hear things we only hear in hindsight.
These discs may not be the easiest to acquire in North America but it's too shortsighted to miss them. Go out of your way to find Duo Palindrome 2002.
Greg Buium, Coda, Nov/Dez.2004

 

 

 

Braxtons ausgeprägte Affinität zu innovativen Schlagzeugindividualisten zieht sich wie ein roter Faden durch sein Schaffen. Beginnend Barry Altschul, der in seinem ersten Quartett spielte, weiterführend zu seiner Duo-Arbeit mit Drum-Legende Max Roach über Gerry Hemingway, Schlagzeuger des wohl eloquentesten Braxton Ensembles, gipfelt diese Tatsache in der Duo-Begegnung mit Rhythmusmagier Andrew Cyrille. Beider Zusammenarbeit reicht in die 1980er Jahre zurück, anlässlich eines Tristano Projektes. Doch erst 2002 kam es zur Realisierung der lang gehegten Duo-Begenung. das mehr als beeindruckende Ergebnis ist auf den beiden, gegenständlichen Einzel-CDs dokumentiert. Die Dialoge kreisen sowohl um kompositorisches Material – neueren wie älteren Datums, als auch spontan improvisierten Ideenaustausch. Mit außerordentlicher Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, lassen die beiden Ausnahmemusiker ihre Erfahrungen und ihr Wissen um afro-amerikanische Jazzgeschichte und neue komponierte Musik zusammenfließen. Daraus kreieren sie ganz persönliche, originelle Hörstücke. Diese bewegen sich nicht auf einem extrovertierten Energielevel, sondern beinhalten feinsinnige, differenzierte Klanggesten, die dem Öffnen von Räumen große Bedeutung beimessen. Klangvielfalt, erweitertes Instrumentalverständnis sowie rhythmische und melodische Raffinessen sind wesentliche Ingredienzien dieser famosen Duette. Braxton bedient sich seiner breiten Palette an Holzblasinstrumenten ebenso souverän, wie dies Cyrille mit seinem perkussiven Füllhorn tut. Ein glühendes Gespann, das unverhohlen und wahrhaftig eine offene Sprache spricht.
Hannes Schweiger, Jazzlife, Wien

 

 

Nonostante i rispettivi destini si siano incrociati in più occasioni a partire dal caldo 1969 a Parigi, luogo in cui convergono le punte più avanzate della musica afro-americana del tempo e dove nascono alcuni gioielli come i celebri Byg, nonostante anni di incontri in giro per il mondo e nonostante l'idea del duo li avesse sedotti già da lungo tempo, Braxton e Cyrille non avevano ancora avuto modo di lavorare attorno a un progetto comune. E sorprende non poco ascoltarli in quest'unica session catturata alla Wesleyan University il 26 ottobre del 2002, perché si ha l'impressione che questi due abbiano suonato insieme per anni, tale è l'intesa e soprattutto la condivisione di intenti. Conta senz'altro il fatto che entrambi siano riusciti ad invecchiare più che onorevolmente in un mondo, come quello dell'avanguardia jazz degli anni '60/'70, che è riuscito a iscrivere all'ospizio mainstream molti di quei gloriosi musicisti. Qui invece siamo di fronte a una visione del mondo che ancora possiamo definire radicale, se con questo termine intendiamo un radicale attaccamento ai linguaggi sperimentati prima, sedimentati in anni di personali ricerche poi. Al di là di ogni semplificazione, è la musica di questo duo palindromo a mettere in evidenza le proprie qualità.
Partiamo dai colori che sono una delle bellezze che subito si manifestano. Il drumming di Cyrille, per esempio, è semplice (apparentemente) e molto controllato, mai un eccesso, mai una sbavatura: un vero esempio di come andrebbero pensate le percussioni, senza eccedere e senza reprimere. Un utilizzo di ampie gamme timbriche, senza dover cercare il gommino di sostegno della grancassa. È fin quasi un piacere sentirlo battere le mani: un grande cuore "africano" che pulsa irregolare e asimmetrico.
E poi Braxton. A furia di dire che è un freddo intellettuale del jazz e un distaccato calcolatore, ci sembra l'esatto contrario: caldo e coinvolgente. Un musicista che ha percorso la sua strada, incurante di ogni possibile facile carriera nell'azienda dello show-business e che ha trovato un linguaggio unico, a-jazzistico, para-contemporaneo, sperimentale. Un musicista che ha saputo negare i più aberranti stereotipi del jazz di questi ultimi trent'anni. Braxton è riuscito anche a non farsi travolgere da certo nichilismo improvvisativo che produce spesso più tabulae rase che ricostruzioni. Come spiega invece lo stesso Braxton nell'esaustiva intervista inclusa nel secondo volume, l'approccio condiviso dai due ricalca l'idea transidiomatica dell'AACM, sbocciata dopo la prima ondata ristrutturalista di Ornette Coleman, Sun Ra e Cecil Taylor (con cui Cyrille ha suonato). L'idea della ricostruzione, agli antipodi rispetto all'impasto che produce la fusione, determina le mosse di questa raccolta di brani, suddivisi su un doppio volume separato da una dubbia scelta editoriale.
Pronti per possibili confronti, dall'altra parte dell'oceano, un altro duo stellare come Bennink/Parker, tanto per dirne uno…
Michele Coralli, altremusiche, Italia, 2005



L’incontro tra Anthony Braxton e Andrew Cyrille nell’ottobre 2002 alla Wesleyan University pare rispondere come previsto alla suddetta sterilità - che no, non esiste nulla del genere ovviamente! - ma suggerisce anche un senso più profondo di quanto si fosse preventivato; alla stessa maniera per cui - ammettiamolo - non è vero che nelle espressioni palindrome non si dà distinzione tra la lettura da sinistra e quella da destra. Se ai fini della comprensione è vero che un senso vale l’altro, c’è pur sempre qualcosa di controintuitivo nel leggere la medesima espressione seguendo il sorgere del sole.
E nel caso di questa musica la meraviglia non è destata tanto dal valore degli addendi, quanto dalla scrittura stessa dell’equazione che infischiandosene di qualsivoglia proprietà commutativa rivela la bellezza della forma in sé.
In questo caso la meraviglia si manifesta proprio perché gli addendi (si) annullano la propria identità in vista e in virtù del risultato finale. Per quanto sia difficile non riconoscere Braxton dietro il fitto intersecarsi di buzz logics, architetture generative e ispirazioni sincretiche dispiegate attraverso una magistrale competenza nell’esprimere al meglio non la tecnica ma la voce e il senso di una fitta schiera di fiati; per quanto la complessa poliritmia screziata di impalpabili ma pressanti filigrane d’accenti non possa non ricondurre alla lieve energia di Cyrille, il concerto inciso per Intakt si svolge tutto sotto un firmamento nuovo, originario, di cui per la prima volta conosciamo le costellazioni e udiamo i moti celesti.
Mettendo da parte la propria fisionomia più riconoscibile - rischiosa, quando personalità tanto forti si trovano a confronto senza accordi prestabiliti - i due musicisti si sono affrontati sul terreno inconsistente della più libera creative music, priva di conduzione, paga unicamente di un misurato ma emotivamente calzante espressionismo cumulativo, tessuto da un voci rigorosamente dis-integrate e simmetriche.
Il pregio di questa prova sta insomma non nell’incontro ma nell’incrociarsi; ecco forse il vero senso del palindromo.
Un palindromo che incrocia e scambia due strumenti agli antipodi, per quanto entrambi incentrati sulla vibrazione, che produce una musica eterea ma inverosimilmente materica, che perde molte delle sue connotazioni più riconoscibili per farsi quasi interamente ipnotico labirintico rimestare ritmico.
Anche qui, spesso i due si scambiano i ruoli attesi, con Braxton che tratteggia raffinate strutture in linguaggio Morse lasciando a Cyrille il compito di stendere su tutto la sua variegata gamma di colori. Il risultato è tuttavia assai simile a un grande magmatico e scuro monocromo, suggerendo con ciò non la monotonia bensì la rigorosa e ispirata fedeltà dei musicisti all’idea di votarsi all’unicità di un evento giocato sul totale riversamento delle proprie abilità nell’esito creativo finale.
Dei numerosi esempi di duetti fiati-batteria in cui Braxton si è trovato coinvolto, questo è probabilmente fra i migliori, proprio perché qui si annulla l’idea di ‘suonare con’ - di sostegno, di apporto, di costruire insieme - per privilegiare quella di ‘suonare per’. In questo modo la creatività raggiunge la dimensione collettiva per osmosi, come naturale deriva di una piena espressione individuale; attraverso l’ascolto di/per sé - calato in una situazione di compresenza con l’altro - più che dell’altro.
E la musica, da qualsiasi lato la si giri, appare meravigliosamente viva.
Emiliano Neri, All About Jazz Italia, 2006

 

Pawel Baranowski, Diapazon, Poland, 6. April, 2005

 

 

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