232: ANDREAS SCHAERER – LUCAS NIGGLI. Arcanum
Intakt Recording #232 / 2014
Andreas Schaerer: Voice, Electronics
Lucas Niggli: Drums, Percussion
Recorded at Loft Cologne, September, 11, 12, 2013 by Christian Heck.
More Info
Just vocals and drums – that’s the line-up of the dream team of Andreas Schaerer and Lucas Niggli. Outstanding virtuosity and enormous creativity combined with the intuition of sleepwalkers, produces an astonishing sound universe full of surprises.
The imagination and ability of the two musicians to communicate and react is key to their free improvisations, which nevertheless are very precise.
The album was recorded in the legendary “Loft” club in Cologne and is a mixture of live and studio recordings. The result is music played on the first instruments of mankind – voice and drum – which is opulent and impulsive, direct and delicate.
Album Credits
Cover art: Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger
Graphic design: Jonas Schoder
Liner notes: Katie Bull
Photos: Reto Andreoli
All compositions by Andreas Schaerer & Lucas Niggli (SUISA). Recorded at Loft Cologne, September, 11, 12, 2013 by Christian Heck. Mixed and mastered at Weltschall by Martin Ruch, January 2014. Produced by Schaerer-Niggli and Intakt Records. Published and copyright by Intakt Records, Patrik Landolt.
- 5 stars: 33 (100%)
- 4 stars: 0 (0%)
- 3 stars: 0 (0%)
- 2 stars: 0 (0%)
- 1 star: 0 (0%)
Protérozoïque
C’est que la première soirée du FIMAV n’allait pas se terminer sur cette note. Un homme-animal allait se pointer avec son acolyte de feu pour nous charrier des sons magistraux. Bienvenue à l’ère des Suisses Andreas Schaerer et Lucas Niggli ! Avec un début à la Precursor d’Amon Tobin, Schaerer dévore le micro, le tord pour en faire ressortir des sons incroyables. Physiquement impliqué, il découpe l’air sur scène pour faire chanter le moindre grain de poussière devant nos yeux ébahis.
Niggli n’est pas en reste, notamment lorsqu’il s’agit de délaisser la batterie qu’il manie à merveille pour créer une ambiance sonore avec ses mains seulement. Entre l’inspiration et l’expiration, à la fois moine franciscain et chantre « crust », le nouvel amoureux du son de la langue québécoise improvise merveilleusement et crée une dynamique contagieuse. Une incroyable surprise de minuit qui indique, malgré la fatigue de ceux qui venaient de sortir de l’avion et de l’autobus, qu’on est bel et bien débarqué sur la planète Victo !
https://www.ledevoir.com/culture/musique/471454/fimav-la-planete-victo
The best came last when Swiss drummer Lucas Niggli and vocalist Andreas Schaerer engaged in delightful avant call and response. Schaerer's verbal gymnastics – grunts, growls, gurgles, whistles, chirps, clucks, and chants – blended nicely with Niggli's imaginative and fun-filled percussive work.
Ein faszinierendes Stimmwunder im Reich überraschender Klänge
Andreas Schärer
Jazzsänger, Sänger ist wohl nicht der ganz zutreffende Begriff, der Andreas Schaerers Vocalartistik umreißt. Er geht mit der Stimme über alles hinaus, was hinlänglich bekannt ist, verblüfft bei seinen Live-Auftritten immer wieder aufs Neue mit Crooner-Elementen, Scat, Rap, malerischen Klangfarben, Beat-Box-Ausflügen und geradezu vertrackten Stimm-exkursionen mit einer Performance, die eine stark theatralische Komponente hat. Faszination pur! Den ECHO Jazz 2015 in der Kategorie „Sänger des Jahres international" hat dieser Schweizer Vokalkünstler mehr als verdient!
Andreas Schaerer, du hast von 2000-2006 an der Hochschule der Künste u. a. bei Sandy Patton in Bern Gesang studiert. Diese amerikanische Sängerin ist ganz stark in der amerikanischen Jazzgesangs-Tradition verwurzelt. Sie besitzt jedoch ein untrügliches Gespür dafür, was die StudentInnen, die Vokalistinnen, die bei ihr Unterricht nehmen möchten, für Talente und Fähigkeiten besitzen. Und sie ermutigt sie auch in diese Richtung zu gehen. Was hast du bei ihr gelernt?
Ich habe bei ihr vor allem gelernt Emotionalität in der Musik zu finden, sie zuzulassen, zu abstrahieren, Songtexte zu gestalten. Die emotionale Seite der Musik lebt sie ganz stark aus und kann sie auch sehr gut vermitteln. Als ich angefangen habe zu studieren, war ich fasziniert von der Virtuosität in der Improvisation, von schnellen harmonischen Entwicklungen, komplexer Rhythmik. Ich habe mich aber weniger mit Emotionalität auseinandergesetzt. Und die wollte ich verstärkt in die Musik einbringen. Daran habe ich stark gearbeitet und unglaublich davon profitiert.
Du hast als Kind schon mit der Stimme experimentiert. Ich nehme an, dass wenn man in der Schweiz, dem Emmental, aufwächst, man andere singen, jodeln hört, und man gerne seine eigene Stimme ausprobiert, wenn ein Echo kommt. Es war wohl für dich das Natürlichste von der Welt etwas spielerisch mit der Stimme zu machen.
Also das mit den Alpen in der Schweiz ist eine Vorstellung, die sehr schön ist, aber es ist nicht so, dass alle Leute, die in der Schweiz sind oder zumindest in einigen Gebieten dort sich abends vors Haus stellen und anfangen zu jodeln. Leider ist das so nicht, das wäre eigentlich ganz schön! Die geographische Umgebung war gar nicht so relevant bei mir. Ich weiß, ehrlich gesagt, noch heute nicht woher das kommt, das Singen ist irgendein Ding, das ich sehr früh schon, so mit drei Jahren, angefangen habe. Vor allem habe ich einfach rhythmische Fragmente ewig wiederholt, und zurückgezogen und kopiert. Ich habe dann früh angefangen einfache Formen von Beatboxing zu üben. Ohne, dass ich das damals je gehört hätte, das war Anfang der 1980er Jahre. Beatboxing war ein Fremdwort, YouTube war noch weit entfernt! Ich wusste nicht woher das alles kommt, das ist mir mehr oder weniger zugeflogen in den letzten Jahren. Es hat mit Faszination zu tun ich habe selber Kinder - die sind 3 und 6 Jahre alt. Mein Sohn macht das auch stark, und ich habe ihn überhaupt nicht gepusht. Er singt manchmal pausenlos. Meine Tochter erzählt bisweilen so sängerisch Geschichten, die sie erlebt hat. Oder erfindet selbst etwas. Die beiden singen einfach so rhythmisches Zeugs, wiederholen es immer und im-mer wieder. Solche Dinge habe ich auch gemacht als Kind.
Wenn deine Kinder dich zuhause singen hören, dann wundert es einen nicht, dass da der Trieb des Nachahmens groß ist. Aber wie kam bei dir dann der Sprung abstrakt, radikal und avantgardistisch zu singen, also alle nur erdenklichen Möglichkeiten der Stimme auszuloten?
Da sind verschiedene Dinge zusammen gekommen. Also das eine: Dass ich als Teenager viel mit meiner Stimme experimentiert habe, aber nicht in der Absicht: Ich will Sänger werden oder ich will in die Avantgarde kommen. Das war für mich nie eine Option. Ich kannte nicht einmal Leute, die das machen. Dann habe ich so am Ende der Teenager-Jahre, so mit 18, 19 Jahren, Gitarre gespielt, auch Unterricht genommen und auf der Gitarre auch so ein bisschen Improvisation geübt. Und dann gemerkt, dass ich so viele klare Ideen im Kopf habe, aber sie beim Gitarrenspielen nicht schnell genug umsetzen kann. Wieso mache ich das nicht mit der Stimme, nehme diesen Umweg über das Instrument, sagte ich mir. Das war die eine Erkenntnis. Parallel dazu war ich viel auf Reisen, insgesamt ein Jahr in Südamerika, und habe mir dort auch überlegt: Wie geht es jetzt weiter? Ich hatte gerade meine Ausbildung als Grundschullehrer abgeschlossen und dachte darüber nach, was kann ich noch weiter machen könnte. Dann entschied ich mich dafür mich professionell mit Musik zu beschäftigen. Und da habe ich schnell realisiert, dass man im Jazz mit der Stimme sehr frei umgehen kann. Ich habe Scat-Solos gehört, von Ella Fitzgerald und wer das nun alles war, sehr traditionelle, und dabei gemerkt, dass die genau das auf der Bühne machen, was ich zu tun versuche. Das hat mich fasziniert. So habe i...
This is my kind of record! I love what they are doing here. Maybe it is because I have
done something similar, but these guys cook! Schaerer has a great voice which he uses
in different ways, from great held notes to making noises to something like droning.
His use of electronics is interesting in how he uses it to complement his voice. This is
really apparent in “Marblecore” where the electronics are used to create harmonies with
his voice. NIggi is both a very energetic player and a great, tasteful accompanist,
whether on drums or on all forms of percussion.
Given their great interaction I would love to see this duo live to see how they watch and
work off each other.
The CD starts in high gear with Shaerer making vocal noises accompanied by
electronics with great support from Niggi. About Midway, Niggi moves to the front
with support from Shaerer, thus creating a great give and take conversation.
Other highlights include the soft melodic singing of Shaerer on “Glow”, the almost
Medieval sounding title track, the Luciano Berio sounding uses of voice and electronic
and drumming on “Longbow,” and the general all around great playing on the entire
CD.
Maybe not for everyone, but a truly great CD.
https://nebula.wsimg.com/ab1fb722b087a08404917b82521ffe1e?AccessKeyId=972E417EFD7ED6ED057A&disposition=0&alloworigin=1
Het Zwitserse duo Schaerer (zang en elektronica) en Niggli (slagwerk) speelt een gevarieerd programma van acht stukken die qua sfeer grote emotionele contrasten, van lieflijk tot horrorachtig, oproepen. De intensiteit en dynamiek zijn in elk stuk heel anders en maken een theatrale of filmische ontwikkeling mogelijk. De stem wordt puur als instrument ingezet, maar zonder dat bijvoorbeeld van bijzondere keeltechnieken gebruik wordt gemaakt. Dankzij oordeelkundig gebruik van de microfoon, eenvoudige elektronica en stiltes weet Schaerer desondanks dramatische spanningsbogen te creëren. Die sensatie is het sterkst wanneer Niggli intuïtief reageert in dynamische uitbarstingen. Voor het overige gaat de percussionist juist heel spaarzaam om met zijn grote klankarsenaal. Schaerer en Niggli vormen soms een organische eenheid. Ik vermoed dat deze pretentieloze muziek het effectiefst is als je die in het donker
beluistert.
From musicians to record companies to clubs and festivals, Europe has been an important contributor to avant garde jazz. Instrumentalists continue to dominate yet Europe has its risk-taking avant garde vocalists as well. One of them is 38-year-old Andreas Schaerer, who has been attracting attention with both his lyrics and his wordless scat-singing. The Swiss improviser has favored an inside/outside approach, incorporating influences ranging from Bobby McFerrin and Frank Zappa to experimental classical music. Hearing how natural and comfortable Schaerer sounds performing avant garde jazz, one might assume that he was raised on a steady diet of Jeanne Lee, Linda Sharrock, Ornette Coleman and Anthony Braxton. But Schaerer, who grew up in the Valais region of the Swiss Alps and now lives in Bern, Switzerland, comes from a rock background and didn't discover jazz until early adulthood.
"I grew up, like a lot of other kids in Switzerland, with a record collection that was mainly rock music: The Beatles, Bob Dylan, Neil Young, psychedelic rock, Pink Floyd," explains Schaerer, who hopes to perform in New York City in the near future. "I did not hear any jazz when I was a kid. My parents were not into jazz, nor into classical music. My parents were into rock. And as a teenager, I had one leg into Jimi Hendrix and Led Zeppelin and the other leg into electronic music -which was pretty strong in Europe in the '90s. I didn't play any jazz until I was about 21 or 22."
Schaerer began to make a name for himself when, as a teenager, he played guitar in the punk band Hektor Lebt. But the more he listened to jazz as a young adult, the more attracted he was to improvisation. "In the '90s, electronic music was starting to be influenced by jazz," Schaerer recalls. "My first experience with jazz was when I discovered Miles Davis, Herbie Hancock and The Headhunters. In my early 20s, I realized that with the way I wanted to use my voice, jazz had possibilities for me. I had the freedom to use my voice the way I wanted to use it. I wanted the freedom to improvise and jazz gave me that freedom."
As comfortable as Schaerer obviously is with avant garde improvisation, many of the vocalists he admires are outside the avant garde realm-including McFerrin. "The biggest influence for me was Bobby McFerrin, for sure," Schaerer asserts. "Bobby was my hero for many years. Bobby was really important for me. Of course, I have listened to all the great jazz singers. I still am very touched by Billie Holiday. I really like Shirley Horn and Cassandra Wilson. And a few years ago, I discovered Gretchen Parlato. I really love Gretchen's phrasing."
Schaerer has, in fact, performed with McFerrin several times in Europe; in 2009, McFerrin invited him to participate in his wordless opera Bobble. And, in addition to making his mark with his live performances, Schaerer has been building a catalogue that includes an abundance of albums for the Bern-based Unit Records. This has included some albums by his sextet Hildegard Lernt Fliegen-which means "Hildegard Learns to Fly" in German and features trombone/tuba; baritone and alto saxophone and bass clarinet; alto and soprano saxophone; upright bass; drums, percussion and marimba alongside Schaerer's vocals-including a self-titled album in 2007, Vom Fernen Kern der Sache in 2009 and Cinéma Hildegard in 2010, as well as 2008's Schibboleth with bassist Bänz Oester. Schaerer has also co-led the trio Rom/Schaerer/Eberle with guitarist Peter Rom and trumpeter Martin Eberle on 2009's Please Don't Feed the Model and 2013's At the Age of Six I Wanted to Be a Cook (both released by Unit).
Although most of Schaerer's releases have been on Unit, some Schaerer recordings were released on other European labels in 2014, including The Fundamental Rhythm Of Unpolished Brains (a Hildegard Lernt Fliegen date for Enja/Yellowbird), Arcanum (a vocals/drums outing with Swiss drummer Lucas Niggli on Intakt) and Perpetual Delirium (a collaboration with the ARTE Quartett, a German/Swiss saxophone quartet, and Swiss bassist Wolfgang Zwiauer for Hungary's BMC Records).
One of Schaerer's strongest supporters has been Unit Records' Harald Haerter, himself a skillful jazz guitarist. "Andreas is an absolutely unique artist," Haerter comments. "He is very flexible and hugely original and I think that every project he has done is special. Andreas reminds me a little bit of [saxophonist] Michael Brecker, who I had the privilege of working with. He has a similar personality. Andreas is very uninhibited."
Awareness of Schaerer's work has been growing stateside and one of his goals for the near future is to organize a North American tour that will include performances in New York City and elsewhere. Schaerer points out that many of the artists he has admired over the years-from Holiday and Davis to Dylan-worked and recorded in NYC and he believes that some NYC performances are long overdue.
"I have never played in the United States," S...
Révélation étrangère de l'année
1 Andreas Scherer
2 David Virelles
3 James Brandon Lewis
Si chaque instrument sonde de manière intime le corps et l’âme, certains y ajoutent un élément résolument universel. La percussion et la voix ont un rapport organique et premier à la transe et à la spiritualité, leur usage remonte à l’aube de la civilisation. C’est fort de cette perspective que le percussionniste Lucas Niggli et le chanteur Andreas Schaerer ont conçu Arcanum pour le label Intakt Records. Ces Helvètes sont des habitués de la formule en duo, qu’ils conçoivent comme une association plus que comme une opposition ; on a déjà vu Schaerer s’unir avec le contrebassiste Banz Oëster dans une configuration similaire. Quant à Niggli, il aime explorer les confins des genres, entre jazz et musiques du monde, avec la joueuse de guzheng Xu Fengxia. La réunion de ces deux personnalités sur les sentiers non balisés de l’improvisation laissait présager le défrichage de contrées inconnues.
La mince toile qui se tisse entre le babil de Schaerer et l’effleurement coloriste de son comparse sur « Ancient Glow » dévoile d’anciens passages vers les autels de divinités oubliées. Dans ces arcanes d’un monde étrange et versatile, le duo aime se multiplier à l’envi. Chaque morceau développe son propre décor comme autant d’univers parallèles. C’est ainsi qu’avec le central « Arcanum », on pénètre dans une contexture complexe de voix bouclées par les samplers. La voix se répand sur ce continuum, soutenue par des cymbales frémissantes. Puis un chant de gorge contondant vient bousculer la masse de silence et verser dans un mysticisme qui peut par instants devenir psychotrope (« Marblecore »). Andreas Schaerer a toujours su dessiner une atmosphère extrêmement personnelle au sein de ces différentes formations. On trouvera ainsi quelques similitudes avec la folie douce de Hildegard Lernt Fliegen sur « Chasing The Frog », lorsque la harangue éruptive du chanteur se faufile dans le déluge de rythme. Ces musiciens sont bien souvent indissociables. Cela tient d’abord à leur relation télépathique, et cela densifie le propos du disque. La musicalité du percussionniste y est prédominante.
Niggli a longtemps côtoyé Pierre Favre dans différents orchestres, et cette approche attentive du duo fait songer à l’union que cet autre Helvète entretient avec Irène Schweizer. Niggli déborde d’idées sans jamais se perdre au milieu de ses ustensiles, qu’ils soient de fer, de peau, de verre ou de plastique, à l’instar d’un autre modèle, Gunther « Baby » Sommer. La scansion parfaite de Schaerer, tout comme son rapport charnel au rythme est le ciment de cette alliance particulière ; il faut en effet toujours garder en mémoire qu’il a exercé sa voix sur le beat-boxing. « Pipe Tomahawk » en est l’indubitable preuve. Cette symbiose trouve son point d’orgue dans le long « How to Shoot a Medieval Longbow ». Du silence au tumulte, de la perle d’eau esseulée au milieu d’un brouillard d’électronique au grouillement de cris qui font par moments référence au Zappa de We’re Only in it For The Money, dont l’ombre plane souvent au dessus de Schaerer, Arcanum est un album profond, grisant et plein de surprises, qui consacre deux grands improvisateurs capables de tout, surtout le meilleur.
https://www.citizenjazz.com/Lucas-Niggli-Andreas-Schaerer.html
Mit Teufels- und Engelszungen
Andreas Schaerer ist auch ein Sänger, aber nur unter anderem. In seinem Klanguniversum geht es um mehr, und nicht einmal mit dem Wort «Stimmkünstler» wird man diesem Berner Vokalisten gerecht. Er ist ein Naturereignis. Dem Duo mit dem Perkussionisten Lucas Niggli, seinem Wahlverwandten an Trommeln, Becken, Pauken, Gongs, ist die vielleicht erstaunlichste CD des zu Ende gehenden Jahres gelungen. Sie heisst «Arcanum» (ein Begriff, der im Latein das «Geheimnisvolle» meint und der nicht von ungefähr in der Esoterik wichtig ist), und wie brillant die Musik (besser: die letztendlich und mangels eines besseren Worts sich als Musik manifestierende Organisation der Klänge und Geräusche) gemacht ist: Hier geht's um nicht weniger als um die Beschwörung einer ganzen Welt. Also um Magie. Die menschliche Stimme (manchmal mittels Live-Sampling zu stimmgeologischen Schichtungen getürmt) und die Perkussion, die ältesten «Instrumente» der Menschheitsgeschichte, ergeben eine höchst archaische Alchemie. Gelegentlich sind sie kaum auseinanderzuhalten, so sehr singt Niggli auf seinen Drums, so sehr trommelt Schaerer mit seinem Maul. In dessen Kehle steckt eine ganze Naturgeschichte des Klangs. Sie zischt, schnalzt, flüstert, schreit, tremoliert, grunzt, stöhnt, brummt, summt, murmelt, faucht, kichert und klickt, und gelegentlich spricht und singt sie auch, mit Kopfstimme und Obertontechnik, mit Teufels- und mit Engelszungen. Mit der elementaren Kunst (grosse Kunst ist diese imitation of life denn letztlich doch) liessen sich im Stenogramm alle Geschichten der Welt erzählen, selbstverständlich auch die von Orpheus, dem ersten Magier der Musik. Hier gibt's Tornados und Windstillen, die ätherischen Gesänge des Luftgeists Ariel und das dumpfe Poltern des erdverhafteten Kaliban. Eine ganze Klangmythologie. (Fast so eindrücklich, wenn auch weniger improvisiert als trickreich komponiert und also kunstvoll domestiziert, ist übrigens Schaerers Kooperation mit den vier Saxofonen des um den fabelhaften E-Bass von Wolfgang Zwiauer erweiterten Arte Quartett.)
De eerste minuten gooien je als het ware in de knettergekke soundtrack van een Japanse action-cartoon, bol van de humor, ongebreideld en eersteplans. Deze gekte loopt door in de volgende
tracks, maar je voelt dat het Andreas Schaerer denkt: er ontstaat een transcendante droomwereld, geladen, spannend, opgroeiend, aanzwellend, deinend... Even verklaren wat er hier gebeurt: Schaerer is een stemkunstenaar, die naast de toepassing van electronics (een tafel vol) enkel zijn stem gebruikt als expressiemiddel in abstracte syllabes en concrete geluidjes, stemacrobatie, zeg maar, om in perfecte samenspraak te gaan met Lucas Niggli's welgekende drums- en percussie-klanken. Cimbalen, cup-chimes, klokken en toms vertalen het stem-avontuur en omgekeerd, en daar slaagt Schaerer 100% in. De symbiose der twee klankentappers is compleet, ad rem, boeiend, steeds evoluerend en grillig. Men moet het visueel ook eens meemaken om te begrijpen wat er gebeurt, en er gebeurt wat.
Daarom is dit duo stem-electronica-percussie een ware top-cd in
zijn genre en hoeft men geen jazzliefhebber te zijn om hier van te
snoepen, zeker niet live!
Spricht so das Orakel?
Mal Irrsinn, mal Meditation: das neue Album des Vokal-Kraftwerks Andreas Schaerer mit dem Drummer Lucas Niggli.
Zu dieser Musik möchte man beten. Und das, obwohl zwei Musiker am Werk sind, die allgemein eher zum Tumultuarischen neigen als zum Meditativen: der Berner Stimmkünstler Andreas Schaerer und der Zürcher Drummer Lucas Niggli. «Arcanum» nennen sie ihre Platte, was eine alchemistische Geheimlehre meint; etwas Mystisches, Mysteriöses. Und genau so klingt das Duo. Die meisten ihrer acht Tracks schillern geheimnisvoll, wirken wie aus einem Reich nicht von dieser Welt. In «Hallucigenia» lässt Lucas Niggli gewaltige asiatische Gongs vibrieren, Schaerer zelebriert scheinbar endlose Gesangstone. Eine Welt fast ohne Zeit, selbst gregorianische Gesänge würden demgegenüber hyperaktiv wirken. Dann das elf minütige «How to Shoot a Medieval Longbow»: über weite Strecken ein Quasi-Nichts magisch verhallender Elementar teilchen. Schaerer beginnt dabei einmal zu flüstern. Spielt mit dem Atem. Raunt Fantasievokabeln. Spricht so das Orakel?
Bei Niggli und Schaerer werden die urzeitlichsten Instrumente Trommel und Vokalstimme zu den reichsten Instru menten: Ob auf der Rahmentrommel mit Naturfell, ob auf Gongs oder mit Rasseln,
ob mit harten Drumsticks oder einem Bund getrockneter Gräser: Nigglis Perkussionswelt ist gross. Und dann Schaerer: Nicht nur alle menschen- und tiermöglichen Laute produziert er, er multipliziert sich selbst mittels Live-Sampling wie in «Ancient Glow», wo er zum ganzen Afro-Stamm wird, in halbtonloser Pentatonik musizierend. Das Duo ist auf «Arcanum>>>> so nichts weniger als ein grossorchestrales Geschehen.
Im Übrigen: Ganz von ihrer Quirligkeit wollen Niggli und Schaerer auch auf diesem Album nicht lassen. «Chasing the Frog»? Ein einziger Tumult. «Pipe Tomahawk»? Der reinste Irrsinn. Dies sind die Mordattacken überdrehter Bremer Stadt-musikanten, dabei tierisch lustig: Schaerer schnarrt, stöhnt, heult, hupt, kreischt, krächzt. Diese Klänge nun sind wiederum auf wunderbare Weise von dieser Welt.
Und es fehlt - nichts
Die Musik des Schweizer Duos „Andreas Schaerer - Lucas Niggli" ist etwas wirklich Besonderes. Sänger und Schlagzeuger spannen ein ganzes musikalisches Universum auf
Dachau - Ken Vandermark, der große Saxophonist, dessen frühere Gastspiele in Dachau wie nur wenige weitere Konzerte für den Erfolg des Jazz e.V. stehen, musste seinen Auftritt in der diesjährigen Herbstreihe absagen; an seiner statt spielt am 22. November die amerikanische Formation „Endangered Blood". Doch wenn in diesem Jazzherbst weiterhin so wunderbare Musik erklingt, wie beim Auftakt am vergangenen Freitagabend, wird es trotzdem ein großartiges Gesamtprogramm.
Die Musik des Schweizer Duos „Andre-as Schaerer - Lucas Niggli" ist etwas wirklich Besonderes. Einen Sänger (Schaerer) und einen Schlagzeuger (Niggli), mehr haben sie besetzungstechnisch nicht zu bieten. Und es fehlt - nichts. Die beiden spannen in der Kulturschranne in dieser ursprünglichsten aller Besetzungen (menschliche Stimme und Schlaginstrument) ein ganzes musikalisches Universum auf. Freilich über weite Strecken unter Verwendung eines großen Sammelsuriums an Effektgeräten zur Dehnung, Verfremdung und Verwandlung der Singstimme, aber beileibe nicht nur auf diese elektronischen Zaubereffekte beschränkt.
Lieder ohne Worte sind es, die die beiden Musiker in manchen Passagen schaffen
Manchmal, da scheint diese Musik auf wundersame Weise fast vollkommen still zu stehen. Dies sind keineswegs nur jene Momente, in denen Niggli die Becken des Drumsets mit dem Kontrabassbogen zum Singen bringt, mit hohlen Röhren anstatt der Drumsticks den Trommeln sanfte Töne entlockt oder überhaupt nicht spielt. Nein, es kann durchaus sein, dass Niggli in diesen Momenten ein unglaublich geschwindes Rhythmusgeflecht erzeugt. Ein Rhythmusgeflecht allerdings, das eher in sich bewegte Klangfläche als Beat ist. Und Schaerer lässt über dieser Fläche textlose Melodien schweben. Sie erinnern mitunter an den Klang von Blasinstrumenten, manchmal klingen sie nach spiritueller afrikanischer Musik, manchmal meint man gar, eine Art Psalmodie zu erkennen.
Lieder ohne Worte sind es, die die bei den Musiker in diesen Passagen erschaffen; insofern hat ihre Darbietung eine geradezu romantische Komponente. Das wohl wichtigste musikalische Parameter ist dabei die Laustärke. Die dynamischen Prozesse, die die Musikstücke durchlaufen, sind wunderbar weiträumig konzipiert und führen in beiden Richtungen in die dynamischen Extreme: Eines von Nigglis Schlagzeugsoli, mit den Besen gespielt, dürfte einer der leisesten Augenblicke der Dachauer Jazzgeschichte sein. Nie zuvor jedenfalls konnte man in der Kulturschranne während eines Schlagzeugsolos die Turmuhr von Sankt Jakob nebenan so klar und deutlich läuten hören. Doch wie gesagt: Ebenso wie diese leisen Überraschungsmomente
gibt es die lauten, die furiosen, die halsbrecherischen. Je samtener das Leise ausfällt, desto grandioser ist der Effekt, wenn die Musik Fahrt aufnimmt.
Zum Beispiel, wenn Schaerer mit seinen Elektrogeräten kleine Pattern aus seinem Gesang herausfiltert und als ständig wiederholtes Ostinato aneinanderhängt. Die Effektdichte nimmt zu und plötzlich steht ein beinharter Drum-and-Bass-Sound im Raum. Schaerer dreht mit dem Equalizer die Bässe auf Anschlag, und ab geht die Post. Das Ergebnis: ein brachialer Beat, der Nigglis Drumsticks zersplittern lässt. Mehr Witz und Energie in sich haben allenfalls die bis auf Vorlaufgeschwindigkeit beschleunigte Nonsenssprache, durch die Schaerer eine der Kompositionen in einen feingliedrigen Highspeed-Rap transformiert und das absolute Inferno der zweiten Zugabe: Deren Klangzusammen-ballung ist eine Art auf Auspuffhöhe erlebtes musikalisches Dragster-Rennen. Höllenlaut und kaum länger als die Viertelmeile in Maximalgeschwindigkeit. Welch ein Ausrufezeichen zum Schluss!
Whether leading his Drum Quartet, seven-piece Zoom ensemble or supporting fabled improvisers, bassist Barry Guy and guitarist Fred Frith, Swiss drummer Lucas Niggli is not one to play it safe or dodge risk-taking processes. His mantra is firmly implanted in a musical world that is assuredly outside the box, after appearing on nearly two-dozen albums for Intakt Records. On Arcanum, Niggli takes another leap of faith by teaming with free-form vocalist Andreas Schaerer. Besides the drummer's colossal sound and enviable technique, the twosome sparks esoteric dialogues, perhaps signaling tribal music for the modern era with an air of antiquity, especially during the vocalist's sanctified chants and perceptive use of electronics effects. Niggli and Schaerer often operate at warp speed or temper the proceedings when exploring dimly lit panoramas.
The duo executes some trickery with mind-bending, polyrhythmic unison runs. At times Schaerer conjures imagery of Brit avant vocalist Phil Minton's cavorting, alien-speak atop Niggli's thunderous tom rolls and swooshing cymbals hits. Yet the title track "Arcanum," is nestled within a spooky and harrowing environ, emphasized by the drummer's intermittent cymbals crashes, as they shift gears on "Chasing The Frog," by implementing a slap, dab, and popping rhythmic escapade, intensified by Shaerer's maniacal scat refrains. However, the musicians do fuse some warmhearted opuses into the program. And they embed textural components via highs, lows and polytonal treatments but also produce outlandish soundscapes that trigger seething discourses. It's an inviting concept with bouts of fun and frolic amid a journey that can rattle your brain, soothe the savage beast or even freak out your friends.
https://www.allaboutjazz.com/arcanum-lucas-niggli-intakt-records-review-by-glenn-astarita